EU-Lieferkettenrichtlinie: Chance, weltweit Armut zu beseitigen

Zeitungsartikel über die AG Globale Verantwortung

Die derzeitige Zwischenbilanz anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Agenda 2030 und ihrer 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ist ein Weckruf ungenutzter Chancen. Nachdem der UN-Aktionsplan anfänglich für zahlreiche soziale, ökologische und ökonomische Erfolge sorgte, gerieten langfristige weltweite Entwicklungsziele seit der COVID-19-Pandemie in den Hintergrund. Stattdessen antworten viele Regierungen nun mit einer kurzsichtigen Krisenpolitik auf geopolitische Spannungen, Konflikte, Erderhitzung und wirtschaftlichen Druck. Infolge dessen stagnieren auch die internationalen Bemühungen, Ungleichheiten und Armut zu bekämpfen. Dies bestätigt der neue Global Multidimensional Poverty Index von UNDP am heutigen internationalen Tag für die Beseitigung der Armut erneut. Noch immer gelten 1,1 Milliarden Menschen in 109 Ländern aufgrund ihres Lebensstandards und ihres geringen Zugangs zu Gesundheitsversorgung, Nahrung und Bildung als multidimensional arm.

Lieferkettenrichtlinie: Chance für innovative Wirtschaft, die Menschen zu ihrem Recht verhilft

Den Regierungen vieler Länder scheint also der Mut oder sogar der Wille für den zuvor eingeschlagenen Kurswechsel abhandengekommen zu sein. Ein klägliches Beispiel dafür ist die EU-Lieferkettenrichtlinie. Wirtschaftsvertreter*innen münzten diese historische Chance für den weltweiten Schutz von Menschenrechten, Umwelt und Klima sowie für gerechte Wettbewerbsbedingungen zur Bürde um. Auf deren Drängen beschloss die Europäische Kommission, die Richtlinie und weitere Teile des European Green Deal im sogenannten Omnibus-Paket abzuschwächen. Der Rechtsausschuss des EU-Parlaments befürwortete am Montag (13.10.2025) den Vorschlag der Kommission, dass die Richtlinie nur für Konzerne mit mehr als 5.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von mindestens 1,5 Milliarden Euro gelten solle. Demzufolge wären nur rund 30 österreichische Unternehmen zu Maßnahmen gegen Ausbeutung und Umweltzerstörung verpflichtet. Eine solche Richtlinie würde dem Anspruch der EU-Länder, vertrauenswürdige Partner in Wirtschaft und Entwicklung zu sein, keineswegs gerecht.

Nun sind alle Blicke auf das EU-Parlament gerichtet. Wir appellieren an die österreichischen Abgeordneten, sich in den bevorstehenden Verhandlungen gegen das mutlose „Weiter wie bisher“ des Omnibus-Pakets auszusprechen und Mut sowie den Willen für eine innovative, nachhaltige Wirtschaft zu beweisen. Eine starke Richtlinie verhilft insbesondere Frauen, Kindern, Menschen mit Behinderungen und indigenen Menschen zu ihrem Recht. Sie bekämpft Armut, erhöht das Vertrauen in eine partnerschaftliche EU und schafft Anreize für ein zukunftsfähiges Unternehmertum.

Lukas Wank,
Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung

Agenda-2030-Bericht nimmt Zusammenarbeit politischer Ressorts unter die Lupe

Ausschnitt des Covers des SDG-Berichts von SDG Watch Austria mit Titel, Kurztext und SDG-Symbolen
Cover des SDG-Berichts von SDG Watch Austria mit Titel, Kurztext und SDG-Symbolen
Cover des Berichts „10 Jahre SDGs – und jetzt?“ © SDG Watch Austria

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Agenda 2030 und ihrer 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) blickt die zivilgesellschaftliche Plattform SDG Watch Austria auf Erfolge sowie Versäumnisse in deren Umsetzung und leitet politische Empfehlungen für die verbleibenden fünf Jahre und die Zeit danach ab. Der UN-Aktionsplan wurde 2015 von den 193 UN-Mitgliedsstaaten einstimmig verabschiedet.

„Die Bekenntnisse zur Agenda 2030 im Regierungsprogramm 2025 bis 2029 sowie in diversen österreichischen Strategien zeigen, dass der Auftrag für nachhaltige Entwicklung hierzulande weiterhin politischen Rückenwind hat. Trotz Empfehlung des Rechnungshofs fehlt jedoch ein SDG-Umsetzungsplan, um die Bewältigung gesellschaftlicher, ökologischer und ökonomischer Herausforderungen auch ressortübergreifend steuern und finanzieren zu können. Mit unserem Governance-Bericht wollen wir Bund, Länder und Gemeinden für den Endspurt bis 2030 und die Zeit danach rüsten“, stellt Bernhard Zlanabitnig, Steuerungsgruppenmitglied von SDG Watch Austria, die neue Publikation vor.

Wirkungsfolgenabschätzung ermöglicht Politikkohärenz im Interesse nachhaltiger Entwicklung

„Damit Österreich seine Nachhaltigkeitsziele erreicht, müssen alle Ministerien an einem Strang ziehen. Wir brauchen eine kohärente Politik, die Widersprüche abbaut und gemeinsame Lösungen fördert. SDG Watch Austria fordert daher, dass neue Gesetze und Programme schon in der Planungsphase auf ihre Auswirkungen geprüft werden. Nur so lassen sich schädliche Folgen in Bereichen wie Wohnen, Mobilität, Energie oder Ernährung rechtzeitig verhindern – und Ressourcen gezielt einsetzen”, erläutert Steuerungsgruppenmitglied Gregor Schamschula.

Österreichs internationale Verantwortung zu einer Priorität machen

„SDG Watch Austria schätzt das bisherige Engagement von Bund, Ländern und Gemeinden für eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen und eine gesunde Umwelt. Weil dies nur Bestand haben kann, wenn es auch Menschen in Ländern des Globalen Südens und in weltweiten Konfliktgebieten zuteilwird, appellieren wir, auch Österreichs internationale Verantwortung zu einer Priorität zu machen“, so Steuerungsgruppenmitglied Lukas Wank. Durch die jüngsten radikalen Kürzungen in der Entwicklungspolitik und humanitären Hilfe würden für die weltweite Umsetzung der Agenda 2030 jährlich vier Billionen US-Dollar fehlen. Wank warnt, dass sich diese Finanzierungslücke auch in der Anzahl hungernder Menschen, die sich laut Welthungerindex seit 2023 auf fast 25 Millionen verdoppelt hat, widerspiegle.

Österreich müsse daher auf allen Ebenen auf eine kohärente Politik setzen, fährt Steuerungsgruppenmitglied Anja Appel fort und verweist auf sogenannte negative Spillover-Effekte durch ungerechte internationale Handels- und Finanzbeziehungen oder durch die Ausbeutung von Arbeitskräften und Ressourcen. „Während Österreich einen hohen Platz im internationalen SDG-Ranking erreicht, ist es eines der Schlusslichter im Spillover-Ranking. Damit Länder nicht mit einer Hand geben und der anderen nehmen, sind Initiativen wie der European Green Deal und die EU-Lieferkettenrichtlinie unentbehrliche Meilensteine in Richtung einer weltweiten nachhaltigen Entwicklung“, ist Appel überzeugt.

Der SDG-Bericht verdeutliche das unausgeschöpfte Potenzial Österreichs, durch kohärente Nachhaltigkeitspolitik gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Mehrwert zu erzeugen, resümieren die Steuerungsgruppenmitglieder. Eine strategische SDG-Umsetzung steigere die Kosteneffizienz für Bund, Länder und Gemeinden, verschaffe Österreich international Wettbewerbsvorteile und Glaubwürdigkeit und sichere das Wohlergehen von Menschen, und zwar weltweit.

Die Plattform SDG Watch Austria, die über 230 zivilgesellschaftliche Organisationen als Mitglieder zählt, setzt sich seit 2017 für eine systematische Umsetzung der Agenda 2030 in und durch Österreich.


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(hh)

Zwei Jahre Krieg im Nahen Osten: Menschenrechte sind für Frieden unverzichtbar

Zeitungsartikel über die AG Globale Verantwortung

„Seit zwei Jahren herrscht im Nahen Osten Krieg, fast 70.000 Menschen wurden seither getötet. Wie kaum ein anderer Krieg in der jüngeren Vergangenheit zwingt er Regierungen weltweit dazu, in Fragen der Diplomatie, Humanitären Hilfe und Menschenrechte klar Position zu beziehen“, stellt Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung, fest und warnt, dass die derzeitigen Verhandlungen nicht von der untragbaren Not der Menschen und den Umständen, unter denen humanitäre Helfer*innen Hilfe leisten, ablenken dürfen.

„Trotz zahlreicher Gesuche der Vereinten Nationen sind heuer erst 13% der benötigten Mittel, um das Überleben von Menschen im Nahen Osten ebenso wie im Sudan, in Afghanistan und in weiteren Krisengebieten zu sichern, international bereitgestellt worden. Hilfsorganisationen stemmen ihre lebensrettenden Einsätze also mit erschreckend wenigen Mitteln und häufig unter großer Gefahr. Zudem sind sie immer öfter gefordert, die Grundlagen ihrer Einsätze und jeder wirksamen Hilfe zu verteidigen: das Humanitäre Völkerrecht und den Humanitären Imperativ – also Hilfe zu leisten, wo Not ist“, erläutert Wank. Allein in den palästinensischen Gebieten seien über die Hälfte der knapp 1.000 humanitären Helfer*innen, die seit Anfang 2023 weltweit ums Leben kamen, getötet worden, zitiert er die Aid Worker Security Database.

Österreichs Menschenrechtsprüfung: Empfehlungen an UN-Menschenrechtsrat übermittelt

„Diese Situation ist inakzeptabel, weshalb wir an die österreichische Bundesregierung appellieren, den eingeschlagenen Kurs eines verantwortungsvollen, menschenrechtsbasierten internationalen Engagements konsequent fortzusetzen und auszubauen“, verweist Wank auf die Strategie der Humanitären Hilfe Österreichs und das Dreijahresprogramm der österreichischen Entwicklungspolitik 2025 bis 2027, für die es derzeit an verbindlichen Umsetzungsplänen fehle. Dies merkte die AG Globale Verantwortung auch in ihrer Stellungnahme an den UN-Menschenrechtsrat anlässlich Österreichs vierter Universeller Menschenrechtsprüfung im Jänner 2026 an. Gemeinsam mit der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar und Licht für die Welt empfahl sie klare Meilensteine, messbare Indikatoren und gesicherte Budgetlinien für die österreichische Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe.

„In einer Zeit, in der die Welt so viele Krisen erlebt wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr, zählt Verbindlichkeit mehr denn je. Österreichs inhaltlich starke entwicklungspolitischen und humanitären Strategien, die sich an internationalen Regeln und Prinzipien orientierten, kommen da gerade recht. Anhand dieser kann Österreich wichtige Weichen für eine stabile, friedliche und gerechte Welt stellen – entscheidend ist nun, dass die Regierung diese konsequent umsetzt, ebenso wie weitere Empfehlungen der UN-Menschenrechtsprüfung“, schließt Wank.

(hh)

Österreichs vierte Universelle Menschenrechtsprüfung: So setzen wir uns auf UN-Ebene für Menschenrechte ein

Ursprünglicher Artikel vom 11. Juli 2025.

Die Universelle Menschenrechtsprüfung (Universal Periodic Review, UPR) ist ein zentrales Instrument des UN-Menschenrechtsrats zur regelmäßigen Überprüfung der Menschenrechtslage in allen 193 UN-Mitgliedsstaaten. In einem Peer-Review-Prozess beurteilen Staaten gegenseitig, wie gut Menschenrechte eingehalten und umgesetzt werden – ergänzt durch die aktive Beteiligung der Zivilgesellschaft. Ziel ist es, menschenrechtliche Verpflichtungen messbar zu machen, Versäumnisse aufzuzeigen und konkrete Empfehlungen zur Verbesserung abzugeben.

Nach Österreichs letzter Prüfung im Jahr 2021 hat 2025 ein neuer UPR-Zyklus gestartet, die Prüfung folgt im Jänner 2026. Im Zuge dessen ziehen wir gemeinsam mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen eine kritische Bilanz.

Warum ist die Universelle Menschenrechtsprüfung wichtig? 

Der UPR ist einzigartig: Kein anderes internationales Verfahren erlaubt einen derart umfassenden Blick auf die Menschenrechtslage eines Landes. Staaten, internationale Organisationen und zivilgesellschaftliche Stimmen sind daran beteiligt. Der UPR sorgt für Transparenz und internationale Rechenschaftspflicht. Er gibt eine klare Orientierung, welche menschenrechtlichen Verpflichtungen bislang nicht oder nur unzureichend umgesetzt wurden. 

Die Empfehlungen, die Österreich 2021 erhielt, reichen von Antidiskriminierung, Gleichstellung, Kinderrechten und Inklusion bis hin zu internationalen Verpflichtungen im Bereich der internationalen Entwicklung und Humanitären Hilfe. Letztere stehen besonders Fokus der AG Globale Verantwortung. 

Unser Engagement im UPR-Prozess 

Die AG Globale Verantwortung setzt sich seit Jahren dafür ein, dass menschenrechtliche Verpflichtungen auch in der österreichischen Außen-, Entwicklungs- und Wirtschaftspolitik umfassend berücksichtigt und umgesetzt werden. 

Auch im vierten UPR-Zyklus engagieren wir uns daher aktiv: 

  • Juni 2025: Stellungnahme zum österreichischen Staatenbericht
    Das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA) veröffentlichte unsere Stellungnahme zum offiziellen Staatenbericht auf seiner Webseite. Darin beleuchteten wir unter anderem die Notwendigkeit eines gesamtstaatlichen menschenrechtlichen Ansatzes, insbesondere in der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA, nunmehr Austrian International Partnerships) und Humanitären Hilfe.

  • Juli 2025: Joint Submission
    Gemeinsam mit unseren Mitgliedsorganisationen Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar und Licht für die Welt analysierten wir die menschenrechtliche Dimension der OEZA, Humanitären Hilfe und der österreichischen Unternehmensverantwortung. Dabei fokussierten wir auf strukturelle Herausforderungen, etwa die nach wie vor niedrigen öffentlichen Entwicklungshilfeleistungen (Official Development Assistance, ODA) und deren Auswirkungen auf die ärmsten Länder der Welt. Österreich vorläufige ODA-Quote für 2024 beträgt 0,34% des Bruttonationaleinkommens statt der international zugesagten 0,7%. Bei einer Pressekonferenz am 14. Juli 2025 präsentierten die Liga für Menschenechte, der Österreichische Behindertenrat und Amnesty International Österreich eine gemeinsame Stellungnahme der österreichischen Zivilgesellschaft.

Was ist uns als AG Globale Verantwortung besonders wichtig? 

Im Rahmen der aktuellen Prüfung verweisen wir insbesondere auf folgende Anliegen:

  • Qualität und Kohärenz der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit
    Die Umsetzung menschenrechtlicher Verpflichtungen darf nicht am Budget scheitern. Es braucht ein klares politisches Bekenntnis zu einem kohärenten, menschenrechtsbasierten Ansatz in der OEZA. 
  • Unternehmensverantwortung
    Österreich muss menschenrechtliche Sorgfaltspflichten von Unternehmen fördern und rechtlich verbindlich gestalten – sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene. 
  • Beteiligung der Zivilgesellschaft
    Menschenrechte lassen sich nur gemeinsam schützen. Die strukturelle Beteiligung zivilgesellschaftlicher Organisationen – im Inland wie international – ist essenziell für die Wirksamkeit aller Maßnahmen. 
  • Besondere Schutzbedarfe
    Wir fordern einen stärkeren Fokus auf die Rechte von Frauen und Kindern, Menschen mit Behinderungen und marginalisierten Gruppen – auch in der internationalen Zusammenarbeit. 

Unser Ziel 

Der UPR ist keine Momentaufnahme, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Es geht darum, Österreichs menschenrechtliche Verantwortung auch in der Außen- und Entwicklungspolitik ernst zu nehmen. Als AG Globale Verantwortung tragen wir mit unserer Expertise dazu bei, dass menschenrechtliche Verpflichtungen nicht nur auf dem Papier existieren, sondern in konkretem politischem Handeln sichtbar werden.


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(mb)

The SDGs‘ anniversary is a call to action

The Boston University professor, who is also President of WWF International, pointed out that a remaining challenge lies in the long-term, interlinked integration of the SDGs across all sectors at international, national and local levels. Caroline Krecké, Project Coordinator of SDG Watch Austria and Sustainability and Communications Officer at Ökobüro, then presented an overview of SDG Watch Austria’s report, which contains findings and recommendations on how the Austrian government and administration can promote the integration of the SDGs in and through Austria.

Experts Martina Neuwirth (VIDC), Karla Röckener (CliMates Austria), and Nadja Grossenbacher (Light for the World) concluded the event with a fishbowl discussion, highlighting the need for just, sustainable and coherent development financing, youth participation, and improved inclusion of people with disabilities, in order to achieve sustainable development — especially during times of crisis and polarization.

Group picture, f.l.t.r. back: Nadja Grossenbacher (Light for the World), Adil Najam (Boston University and WWF International), Karin Kuranda and Lukas Wank (Global Responsibility and SDG Watch Austria), Martina Neuwirth (VIDC), Anja Appel (KOO and SDG Watch Austria); f.l.t.r. front: Judith Zimmermann-Lackner (KOO and SDG Watch Austria), Caroline Krecké (Ökobüro and SDG Watch Austria), Karla Röckener (CliMates Austria), and Bernhard Zlanabitnig (EU-Umweltbüro and SDG Watch Austria)

Dreijahresprogramm: Neue Akzente in veränderten Zeiten

Picture of men and women working in the FMNR fields.

Zwar ist ungewiss, wie das neue Programm angesichts der Budgetkürzungen in seiner Gänze umgesetzt werden soll, doch ist es inhaltlich in Teilen gut durchdacht. Ausschlaggebend war dafür der Erstellungsprozess, in den die Zivilgesellschaft und die Partnerländer erstmals stark eingebunden waren. Vor dem Hintergrund globaler Herausforderungen wie autokratischer Tendenzen, Schulden- und Klimakrise stellt das Programm Armutsbekämpfung, Menschenrechte und Klimagerechtigkeit mit Verweisen auf das Pariser Klimaabkommen und die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ins Zentrum. Es betont die Bedeutung des Humanitarian-Development-Peace-Nexus sowie von gender-transformativen und konfliktsensitiven Strategien. Zudem formuliert es konkrete Ziele, etwa in der Wasser- und Sanitärversorgung. Somit entspricht es auf den ersten Blick den Schwerpunkten der EU-Entwicklungspolitik.

Sicherheits- und innenpolitische Rahmung der Entwicklungszusammenarbeit

Die programmatische Stoßrichtung hat sich jedoch verschoben, wie die sicherheits- und innenpolitische Rahmung des Programms zeigt. Migration erscheint primär als Risiko, Entwicklungszusammenarbeit als Mittel zur Stabilisierung. Lokalisierung, Rechtsbasiertheit oder der Anspruch auf eine gleichberechtigte Partnerschaft mit Akteur*innen in den Schwerpunktländern weichen teilweise österreichischen Eigeninteressen. Diese sind auch die Triebfeder des Team Europe und der Global Gateway Initiative der EU, auch wenn diese (noch) auf zivilgesellschaftliche Teilhabe und multilaterale Wirksamkeit setzen.

Zivilgesellschaftliche Organisationen lediglich in durchführender Rolle – Rückschritt gegenüber Vorgängerprgramm

Das neue Dreijahresprogramm reduziert zivilgesellschaftliche Organisationen vorrangig auf die Rolle durchführender Akteur*innen und beschneidet dadurch deren Handlungsspielraum – ein klarer Rückschritt gegenüber dem Vorgänger. Dieser verstand NGOs als wesentliche Partner*innen zur Umsetzung der SDGs und betonte in einem eigenen Kapitel die zivilgesellschaftliche Mitgestaltung. Dass Begriffe wie Lokalisierung, Power Shifting oder zivilgesellschaftliches Ownership völlig fehlen, während der Anspruch an Wirkkraft und Effektivität der Arbeit von NGOs steigt, unterstreicht die entpolitisierte, technokratische Stoßrichtung des Programms.

Österreichischer Entwicklungspolitik fehlt zukunftsweisendes Narrativ

Der österreichischen Politik fehlt somit ein zukunftsweisendes Narrativ für eine kohärente, gerechte und partnerschaftliche Entwicklungspolitik in einer zunehmend polarisierten Welt. Diese Lücke werden wir als Dachverband gemeinsam mit unseren Mitglieds- und Partnerorganisationen weiterhin gestalten und unsere Visionen mit der Politik teilen.

(lw/hh)

Diese Analyse erschien im September 2025 in unserem Dossier 2025 – Zusammenhalt und Zusammenarbeit.


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I imagine it as a bank of gauges.

Author Nick Appleyard © private

The Climate Office of European Space Agency (ESA) analyses satellite records back to the early days of a cooperative space economy in the 1970s. Data scientists convert instrument readings into statistics that ebb and flow with the seasons, feeding them onwards to the scientific community and the global assessments of the IPCC.

Widespread and rapid changes in the atmosphere, ocean, cryosphere and biosphere have occurred. Human-caused climate change is already affecting many weather and climate extremes in every region across the globe. This has led to widespread adverse impacts and related losses and damages to nature and people. Vulnerable communities who have historically contributed the least to current climate change are disproportionately affected.

– IPCC Climate Change 2023 Synthesis Report: Summary for Policymakers A.2

A needle creeps across a dial. A siren blares, emergency lighting kicks in. We are outside the safe zone. The command is heard: “Will somebody please shut off that noise?” and silence returns, but a new bulb now flashes its accusation on the desktop, joining its fellows which each pulse alongside. Every needle is in its red zone, but at least it’s quiet now that the leadership have shut off the alarm.

I imagine it as a Big Red Button.

A button so powerful that it must be surrounded by yellow and black warning stripes, with glass to be broken Only in the Case of an Emergency. But the reports confirm that this is indeed that moment and so, after a short hesitation and an intake of breath, the glass is broken. The button is pressed. In the Control Room the screens now all show the same scene, as the world’s resources swing into action and focus onto a single point. In that moment only this situation matters. Normal priorities are overridden. Crisis response is in action.

Negotiated in 2000, the International Charter on Space and Major Disasters is a triumph of cooperation across boundaries. A consensus that in these critical moments there is no time to discuss and agree, no time for political or economic negotiation, because lives are at risk and we cannot wait. Emergency responders and local authorities need immediate support: the downlinks of multiple satellites are quickly assembled into maps and alerts, layering their insights to feed into the crisis control centres that direct the action on the ground. Briefly, the humanitarian need overrides all others.

Disaster risk is increasing. More intense shocks and stresses are exacerbating inequality and derailing progress on the Sustainable Development Goals. Hazard events are becoming more intense and frequent in all regions of the world.

When vulnerability and exposure levels are high, then these hazard events are much more likely to become disasters.

– UNDRR Global Assessment Report of Disaster Risk Reduction: Special Report 2024

The Charter is activated almost weekly now, as countries around the world confront one natural disaster overlapping into the next.

But how can we act on these priorities before the fire spreads, before the dam breaks, before the crops fail? Our contribution to humanitarian action will be more effective, more impactful, and also less costly, if we have looked ahead and anticipated the risks of a developing situation, far ahead of the moment of crisis.

I imagine the pickup truck, slowing to a halt as the dusty road feeds onto tarmac.

The farm manager steps out, her arms exposed to the morning sun, cap and sunglasses shading her eyes. Reaching for the backpack on the passenger seat she opens a laptop. After a few seconds, connected through the antenna on the truck roof, a bright blue spot shows her position on a map with the latest reports. She scans the complex swarm of slowly moving points representing ships outside the harbour, trains and trucks bringing the containers to and from the port, and the warehouses and gantry cranes that sustain the flow of the whole region’s economy. All is ready. This industrial commotion is a stark contrast to the rural village just an hour away, where the fresh crop has just been harvested and packed. Another dashboard shows the shipment in preparation. The container is sealed, the certification needed by the customers and by the bank are in progress. It will set out in another hour.

ESA’s Space Solutions programme has fostered over five hundred new digital services over the past fifteen years, each solving a specific need in a business which has found a use for satellites in its daily operations. In our world of market economies, each has proved itself useful to a customer and worthy of their effort and investment. It is in the nature of space that these services address particular kinds of needs. It really helps if you can see the sky, so this is most likely to be of help for activity and assets outdoors. Satellites can operate in parallel over a wide area, so the value is most apparent for land use, for extended infrastructure or for moving vehicles and people. And space is often the only option where coverage is poor from ground-based systems like the mobile telecom network, most obviously the case at sea and in the air.

This leads us to use space around the edges of the digital economy. And so we find that half of these projects, even though they are developing commercial services, are also targeting climate and the green transition. Fully eighty per cent can be linked to UN’s Sustainable Development Goals.[1]

So now we arrive at my first question to you, the humanitarian community. If you could wish for any information to support your work or directly to empower vulnerable people, if you could conjure any insights or forecasts, any coordination of effort, any timely alert,

What do you imagine?

Quite likely your reply will be technically possible: among the thousands of innovation projects and product ideas that I have seen over two decades, it has been very rare that the last problem to solve was one of engineering.

Quite likely this solution may rely on the capabilities of space, and so perhaps we in ESA could partner with you, get it built, demonstrate it working. Maybe we already did.

Those things are, in the 21st century, the easy part. Maybe you’re familiar with geospatial mapping and decision systems used by international organizations, development aid agencies, humanitarian and emergency services. We have helped to get many of these started. Many wishes have already been fulfilled, and I encourage you to make the maximum use of what has already been done.

And so, to my second question. If your wishes can be so easily engineered,

What is the hard part?

I have heard many answers to this question. I am told that there is no time, no money to innovate, because resources and people on the ground are already stretched to their limits. I am told that responsibility, liability and funds are too scattered, too hard to assemble. I hear ethical concerns about surveillance, about transparency and mistrust, the risk that data about people who are already vulnerable may be misused. I hear doubt that the very same tools developed to pursue conflict and support military action may also be used to protect populations and uphold their rights. And I hear that the humanitarian arena is no place for commerce, that the priorities of business and the population are somehow intrinsically opposed.

I end this reflection on a note of humility. Dealing with these concerns is the hard part, for which I do not try to offer simple solutions. Perhaps, though, we can find a way forwards together.


Footnote

[1] ESA Space Solutions: Tackling Societal Challenges 2024


About the author

Dr Nick Appleyard is the Head of Applications and Solutions at the European Space Agency. His challenge is to find ways that the rich technical capabilities of the space sector can be applied to solve the problems of society. This is achieved by supporting European business ideas that will succeed and grow by virtue of the value that they offer to their users and customers.

Nick has been leading public innovation programmes for almost twenty years, across the full breadth of the digital economy ranging from sanitation to special effects and from hospitals to ski slopes.

He is based in UK, but is increasingly delocalized across Europe.


Global voices for humanitarian assistance

Icon for innovation, robot arm

Inspired by Tom Fletcher’s statement of commitment to the humanitarian community when he resumed his position as Under-Secretary-General for Humanitarian Affairs and Emergency Relief Coordinator (OCHA) in November 2024, this channel provides expert views and impulses that highlight the current importance of listening, efficiency, outspokenness, and innovation in humanitarian assistance.

Den zivilgesellschaftlichen Handlungsspielraum weltweit ermöglichen und stärken

Beitragsbild für CONCORD-Empfehlung zur zivilgesellschaftlichen Strategie der EU-Kommission 2025

Der schrumpfende zivilgesellschaftliche Handlungsspielraum geht weltweit mit der Diffamierung von und Desinformation über zivilgesellschaftliche Organisationen und Akteur*innen einher, welche denselben Mustern folgen. CONCORD, unser Dachverband auf EU-Ebene, appelliert an die EU-Kommission, dass die zivilgesellschaftliche Strategie, die diese derzeit erabeitet, daher auch weltweit gegen den sogenannten Shrinking Civic Space vorgehen muss. Wenn die Zivilgesellschaft in der EU besser geschützt wäre, würde das dazu beitragen, die demokratische Rolle zivilgesellschaftlicher Organisationen in anderen Ländern zu legitimieren und die Demokratie sowie die Menschenrechte zu stärken.

CONCORD führt dazu Empfehlungen 1., zum Schutz, 2., zur Einbindung und 3., zur Unterstützung von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Akteur*innen sowie 4., zur Koordination, zum Monitoring und zur Evaluierung im Rahmen der zivilgesellschaftlichen Strategie an.


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Die EU schwächt den Schutz von Mensch und Umwelt

Die EU riskiere eine Abwärtsspirale, befürchten Corporate Europe Observatory und 470 weitere Unterzeichner*innen einer Stellungnahme. Diese wird auch von der Allianz für Klimagerechtigkeit unterstützt, deren Vorstandsmitglied wir sind.

Die Stellungnahme warnt, dass die Europäische Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen eine beispiellose Welle drastischer Kürzungen bei Regulierungen plane, die den Schutz von Arbeits- und Sozialrechten, Menschenrechten, digitalen Rechten und der Umwelt gewährleisten. Die Unterzeichner*innen befürchten, dass die Kommission und die EU-Mitgliedstaaten die nächsten vier Jahre damit verbringen könnten, Vorschriften für in der EU tätige Unternehmen abzubauen. Die Deregulierung berge die Gefahr, dass rechtsextreme und antidemokratische Kräfte gestärkt werden, Korruption ermöglicht wird, Ungleichheiten zunehmen, dringend notwendige Klimaschutz- und Umweltschutzmaßnahmen verlangsamt und Gemeinden und Arbeitnehmer*innen wichtiger Schutzmaßnahmen und Dienstleistungen beraubt werden.

Die Stellungnahme führt neun Beispiele für Rückschritte durch die „Agenda der Vereinfachung“ an.


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Die Zivilgesellschaft: Partnerin in der ersten Reihe

Aktualisiert am 27. Februar 2026

In Österreich, in der EU und weltweit erleben zivilgesellschaftliche Organisationen seit Monaten eine neue Qualität koordinierter Angriffe. Diese reichen von parlamentarischen Anfragen mit impliziten Unterstellungen über mediale Kampagnen bis hin zu juristischen Verfahren. Dabei sind weltweit wiederkehrende Muster zu erkennen, die wir in unserer Handreichung erläutern. Zudem gehen wir auf fünf Vorwürfe ein, mit denen NGOs derzeit konfrontiert sind, und führen Argumentationen an, welche die Wirkkraft der zivilgesellschaftlichen Arbeit unterstreichen.


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„Neue Realität in der internationalen Zusammenarbeit“

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Am diesjährigen Welttag der Humanitären Hilfe traten die AG Globale Verantwortung, ihre Mitglieds- und weitere Organisationen in Wien in die Pedale und setzten ein Zeichen für eine starke Zivilgesellschaft und für weltweiten Zusammenhalt. Unser Geschäftsführer Lukas Wank kritisierte in seinem Redebeitrag zum Start des Radkonvois der Menschlichkeit vor der UNO-City, dass die Geberländer eine neue Realität in der internationalen Zusammenarbeit geschaffen hätten, die Menschlichkeit vermissen lässt. Regierungen kürzten ihre Budgets, obwohl weltweit immer mehr Menschen auf Humanitäre Hilfe angewiesen sind – so auch die österreichische Regierung.


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Das war der Radkonvoi der Menschlichkeit


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Zivilgesellschaft fordert mehr Menschlichkeit: „Jetzt ist die Zeit für weltweiten Zusammenhalt“

Der Radkonvoi auf der Donaulände. © Globale Verantwortung

„Während der humanitäre Bedarf und die Anzahl schutzsuchender Menschen weltweit explodieren, kürzen immer mehr Geberländer ihre Budgets und schaffen damit eine neue Realität in der internationalen Zusammenarbeit – auch Österreich. Immer weniger lebensrettende Hilfe kommt im Sudan, im Gazastreifen und in anderen, oftmals langanhaltenden und vergessenen Krisen an. Die Regierungen der Geberländer dürfen nicht länger ignorieren, dass die Budgetkürzungen in der Entwicklungspolitik und Humanitären Hilfe weitreichende Folgen haben – letztlich auch für die eigenen Länder“, warnte Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung, zum Auftakt des Radkonvois der Menschlichkeit am Platz der Vereinten Nationen in Wien.

Der Dachverband und zahlreiche seiner Mitgliedsorganisationen für Humanitäre Hilfe, internationale Entwicklung und entwicklungspolitische Inlandsarbeit zogen heute in Begleitung weiterer zivilgesellschaftlicher Organisationen auf Fahrrädern durch die Bundeshauptstadt. In einem Gastredebeitrag verwies Christoph Pinter, UNHCR-Büroleiter in Österreich, auf Lehren, die es in der internationalen Zusammenarbeit zu ziehen gelte, etwa aus der Flüchtlingskrise 2015. Anschließend brach der Konvoi Richtung Innenstadt auf.

Zivilbevölkerung und von humanitären Helfer*innen in Konfliktgebieten unter Druck

Vor dem Albert-Schweitzer-Haus – Forum der Zivilgesellschaft in der Schwarzspanierstraße appellierte Andrea Reisinger, Abteilungsleiterin Internationale Katastrophen und Krisen beim Österreichischen Roten Kreuz, an die Regierung: „Das Humanitäre Völkerrecht und die Genfer Konventionen bewahren die Menschlichkeit in bewaffneten Konflikten. Alle Staaten haben sich nicht nur ihrer Einhaltung verpflichtet, sondern auch dazu, diese durchzusetzen und von anderen einzufordern. Zivilbevölkerung und humanitäre Organisationen sind bedingungslos zu schützen! Doch immer wieder werden humanitäre Helfer*innen im Einsatz getötet; in den letzten Monaten waren darunter 31 Kolleg*innen des Palästinensischen Roten Halbmondes, während sie anderen helfen wollten. Wie lange noch sollen wir zusehen, wie das Humanitäre Völkerrecht ausgehöhlt wird? Die österreichische Außenpolitik muss einen unmissverständlichen Standpunkt zur Einhaltung der Regeln im Krieg einnehmen.“

Erich Fenninger, Geschäftsführer der Volkshilfe, zog Parallelen zur Arbeit in Österreich. „Zivilgesellschaftliche Organisationen und ihre freiwilligen Helfer*innen leisten Katastrophenschutz sowie Wiederaufbau aus der Mitte der Gesellschaft heraus. Hierzulande wie weltweit sind sie unverzichtbare Säulen im Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich. Sie stoßen notwendige Reformen an, um Ungleichheiten langfristig abzubauen und das Wohlergehen aller Menschen sowie eine lebenswerte Umwelt zu sichern. Weil jedoch ebendiese wichtige Arbeit weltweit unter immensem Druck steht, brauchen wir mehr denn je eine österreichische Regierung, die für eine Politik der Menschlichkeit einsteht und das 0,7-Prozent-Ziel einhält“, so Fenninger.

Österreich als stabiler Partner in Krisen und für Klimagerechtigkeit

Eine Voraussetzung für eine lebenswerte Umwelt sei der konsequente Kampf gegen die Klimakrise, gab Katharina Lehner, Leiterin der Diakonie Katastrophenhilfe, zu bedenken. „Naturkatastrophen treten heute viel häufiger und intensiver auf als früher und verursachen großes Leid. Laut IFRC töten sie weltweit jedes Jahr 67.000 Menschen – mehr, als in Villach oder Wels leben. 26 Millionen Menschen werden in die Armut getrieben und fast 200 Millionen Menschen sind durch sie gefährdet. Die meisten Betroffenen leben im Globalen Süden, während der Globale Norden den Großteil der Treibhausgase verursacht. Österreich soll durch stabile Partnerschaften und eine verlässliche, langfristig gesicherte Finanzierung zu weltweiter Klimagerechtigkeit beitragen, und somit zu einer lebenswerten Umwelt für alle“, richtete sich Lehner an die Regierung.

Langfristige und inklusive Finanzierung als Schlüssel

Jacqueline Bungart, Expertin für Humanitäre Hilfe bei Licht für die Welt, verwies bei der letzten Radkonvoi-Station am Platz der Menschenrechte auf die Verantwortung der österreichischen Politik im Kampf gegen globale Krisen, die etwa in der Strategie der Humanitären Hilfe Österreichs und im kürzlich beschlossenen Dreijahresprogramm der österreichischen Entwicklungspolitik 2025 bis 2027 verankert sei. „Es ist ein erfreulicher Schritt, dass die relevanten Strategien die inklusive Unterstützung von benachteiligten und gefährdeten Menschen im Globalen Süden und in Krisengebieten stärker fördern. Die Krisen treffen sie um ein Vielfaches härter, weshalb die Arbeit österreichischer Organisationen und ihrer lokalen Partner*innen insbesondere auf Frauen, Kinder, Menschen mit Behinderungen sowie alte und kranke Menschen abzielt.“

Die Regierung sei gut beraten, die neue Realität in der internationalen Zusammenarbeit bestmöglich zu nutzen, gab Andreas Knapp, Generalsekretär Internationale Programme der Caritas Österreich, abschließend zu bedenken. „Österreich hat jetzt die Chance, sich in Krisenzeiten als verlässlicher und glaubwürdiger Partner zu beweisen. Entscheidend dafür ist eine langfristig abgesicherte Finanzierung, um entwicklungspolitische und humanitäre Strategien wirksam umzusetzen. Wir fordern die Regierung – allen voran Außenministerin Beate Meinl-Reisinger – auf, Budgetkürzungen zu stoppen und angesichts der globalen Krisen die Mittel zu erhöhen. Setzen Sie ein Zeichen für Menschlichkeit, und gewinnen Sie auch andere Geberländer sowie die EU für diesen Weg: Jetzt ist die Zeit für weltweiten Zusammenhalt.“

Die AG Globale Verantwortung bedankt sich bei ihrer Mitgliedsorganisation Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs, deren Kleinlaster den Radkonvoi anführte und den Sprecher*innen als Bühne diente.


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(hh)

Radkonvoi der Menschlichkeit am Welttag der Humanitären Hilfe

Freiwillige des Ruandischen Roten Kreuzes im Mahama-Flüchtlingscamp. © IFRC / Juozas Cernius

Weil eine andere Welt möglich ist, setzen sich NGOs, zivilgesellschaftliche Initiativen und engagierte Bürger*innen tagtäglich in Österreich, in Europa und weltweit für diese ein. Sie wissen, mit welchen Herausforderungen benachteiligte und gefährdete Menschen – insbesondere Frauen, Kinder, LGBTIQA*-Personen, Menschen mit Behinderungen sowie alte und kranke Menschen – konfrontiert sind und zeigen auf, wie auch Österreich deren Bedarfen gerecht werden kann.

Am diesjährigen Welttag der Humanitären Hilfe veranstalten österreichische humanitäre Hilfsorganisationen und ihr Dachverband AG Globale Verantwortung daher einen Radkonvoi der Menschlichkeit durch Wien und machen dabei auf die tiefgreifende Wirkkraft der zivilgesellschaftlichen Arbeit für Mensch und Gesellschaft aufmerksam. An drei Stationen appellieren sie an die Bundesregierung, sich klar für die Einhaltung des Humanitären Völkerrechts, die Stärkung der Zivilgesellschaft und für mehr Menschlichkeit einzusetzen. Österreichs internationalen Verpflichtungen entsprechend ist die Regierung gefragt, dazu beizutragen, den weltweit gestiegenen humanitären Bedarf zu stillen und multiplen Krisen vorzubeugen, sie einzudämmen und zu bewältigen. Christoph Pinter, Leiter des UNHCR-Büros in Österreich, wird ebenfalls einen Redebeitrag halten.

Route und Redebeiträge

Dienstag, 19. August 2025

Platz der Vereinten Nationen, 1220 Wien

Treffpunkt: 09:00 Uhr, Start: 09:30 Uhr

Mit Redebeiträgen von

  • Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung
  • Christoph Pinter, Büroleiter von UNHCR Österreich

über die neue Realität in der internationalen Zusammenarbeit in einer Zeit, in der weltweit der humanitäre Bedarf und die Anzahl schutzsuchender Menschen drastisch steigen.

Forum der Zivilgesellschaft, Albert-Schweitzer-Haus

ca. 10:15 Uhr | Schwarzspanierstraße 13, 1090 Wien

Mit Redebeiträgen von

  • Andrea Reisinger, Abteilungsleiterin Internationale Katastrophen und Krisen beim Österreichischen Roten Kreuz
  • Erich Fenninger, Geschäftsführer der Volkshilfe
  • Katharina Lehner, Leiterin der Diakonie Katastrophenhilfe

über die Aushöhlung des Humanitären Völkerrechts, die Notwendigkeit, die zivilgesellschaftliche Arbeit in Österreich, Europa und weltweit auch zukünftig abzusichern und die Klimakrise als Krisentreiberin.

Platz der Menschenrechte, 1070 Wien

ca. 10:45 Uhr

Mit Redebeiträgen von

  • Jacqueline Bungart, Expertin für Humanitäre Hilfe bei Licht für die Welt
  • Andreas Knapp, Generalsekretär Internationale Programme der Caritas Österreich

über die Situation von besonders gefährdeten Menschen in Krisen und welche entwicklungspolitischen und humanitären Prioritäten die österreichische Bundesregierung jetzt setzen sollte, um diese zu unterstützen.

Wir laden Medienvertreter*innen herzlich zum Mitradeln oder zu den Stationen des Radkonvois ein. Die Sprecherinnen und Sprecher stehen im Anschluss an die Redebeiträge für Interviews zur Verfügung. Bei Interesse wenden Sie sich gerne an presse@globaleverantwortung.at.

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Hintergrund

Die Rad-Ambulanz des Malawischen Roten Kreuzes bringt einen Patienten ins nächstgelegene Krankenhaus. © IFRC / Yoshi Shimizu

Ob in Ost- und Westafrika, im Nahen Osten, in der Ukraine oder in anderen Krisengebieten: Die Anzahl der Menschen, die weltweit auf Humanitäre Hilfe angewiesen sind und Schutz suchen, ist in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Dennoch wenden sich immer mehr Regierungen, unter Verweis auf wirtschafts-, verteidigungs- oder migrationspolitische Eigeninteressen, von ihrem Bekenntnis zu internationaler Zusammenarbeit ab. Die weitreichenden Folgen der Budgetkürzungen im Bereich der Entwicklungspolitik und Humanitären Hilfe, die sich letztlich auch auf die eigenen Länder auswirken, scheinen sie dabei zu ignorieren. So wird etwa die Klimakrise auch zehn Jahre nach der Flüchtlingskrise 2015 als Krisentreiberin unterschätzt, obwohl der Krieg in Syrien seinen Anfang in einer langanhaltenden Dürre nahm. Wissenschafter*innen rechnen infolge des USAID-Stopps mit bis zu 14 Millionen Toten bis 2030. Der sinkende Zusammenhalt mit benachteiligten und gefährdeten Menschen und das nachlassende Engagement für eine lebenswerte Umwelt droht zunehmend auch die Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Menschenrechte in Europa zu gefährden.

(hh)

From passive hearing to transformative action

Authors Rez Gardi and Marisa Leon Gomez Sonet. © private

From listening to action 

What is called “listening” is, in reality, just hearing—passive, selective, and disconnected from action. It reinforces rather than reimagines the status quo. 

True listening can make people uncomfortable. It requires those in power to act on what they hear—to shift resources, change course, and rethink power structures. Until this happens, listening remains symbolic; actors are not listening, they are simply hearing, and mistaking the presence of impacted people for influence. 

Yet is real listening enough? Does it translate into more effective policies and programming? History tells us it does not. Without structural change, listening risks tokenizing people’s experiences, reducing them to testimonies that might stir donor empathy or satisfy organizational mandates. The real challenge is moving from listening to meaningful participation. This means humanitarian actors must ask: How can directly impacted people shape the decisions that govern their futures? Are we extracting stories to validate pre-set priorities? Or are we ready to be reshaped by the perspectives of people who have lived through crisis, displacement, and recovery?  

Participation as the way forward

Meaningful participation goes beyond merely being consulted[1]. It means being present at decision-making tables as equals. It requires a shift in mindset, from seeing affected people as “beneficiaries” to recognizing them as leaders, experts, and partners in humanitarian response. Their knowledge is not anecdotal; it is political, strategic, and rooted in lived experience. 

Encouragingly, we are beginning to see change. Refugee-led organizations (RLOs) and refugee leaders are compelling states, UNHCR, donors, and other stakeholders to recognize them as central to designing and delivering solutions. Five states have established national refugee advisory boards, and at 2023 Global Refugee Forum, fourteen states included refugee advisors in their delegations. UNHCR has also instituted a global refugee advisory group with the potential to influence policies at the highest levels. 

These partnerships recognize the deep contextual knowledge within refugee communities, qualities that external experts, however well-meaning, cannot replicate. This shift is not easy. It requires courage from institutions to share power, and humility to accept that expertise exists in many forms. Solutions imposed from outside rarely last; solutions built with those who live the consequences every day have a chance to transform systems. 

Listening must therefore be understood as a political act. It only becomes meaningful when paired with action—when it drives systemic change. A true humanitarian reset depends on this evolution: from symbolic participation to structural, sustainable, and substantial leadership by impacted people. The polycrises of our time—conflict, mass displacement, and climate emergencies—demand responses as complex and nuanced as the crises themselves.  

Directly impacted people are not voiceless; they have been systematically excluded by systems that prioritize expediency over equity. If we are serious about effectiveness, legitimacy, and justice in humanitarian action, listening must lead to shared governance, co-design, and ultimately, co-leadership. 

Conclusion

Tom Fletcher names listening as one of four key principles for humanitarian action—alongside outspokenness, innovation, and effectiveness. But listening is what unlocks the others. Without it, innovation misses the mark, advocacy rings hollow, and effectiveness is measured by outputs, not outcomes. When we listen fully—with intent, humility, and follow-through—we build systems not just for people, but with them. 

Let us listen not to validate our strategies, but to confront them. Only then will listening become not a tick-box exercise, but an act of transformation. 


Footnote

[1] Refugees Seeking Equal Access at the Table (R-SEAT) defines meaningful refugee participation when refugees from diverse backgrounds have sustained influence in all fora where decisions, policies, and responses that impact their lives are being designed, implemented, and measured in a manner that is accessible, broad, informed, safe, free, and supported.


About the authors

Rez Gardi is an international lawyer and human rights advocate. Born as a refugee in Pakistan, Rez sought to use her difficult start in life as motivation to help others. She became New Zealand’s first female Kurdish lawyer and the first Kurd to graduate from Harvard Law School, where she graduated as a Fulbright Scholar with a Master of Laws. Her previous roles include working for the New Zealand Human Rights Commission, as lecturer on international law and human rights, and a Harvard Human Rights Fellow in Iraq working to build cases for the prosecution of ISIS regarding their targeted genocidal campaign against the Yezidis. Rez is the founder of ‘Empower’ – a refugee-led organization which aims to address the underrepresentation of refugee youth in higher education. She is also the Co-Founder the Centre for Asia Pacific Refugee Studies at the University of Auckland, New Zealand.

Rez represented New Zealand at the first ever Global Refugee Youth Consultations in 2016, helped establish the Global Youth Advisory Council to the UNHCR, and is a co-founding member of the Refugee Advisory Group to the UNHCR Annual Tripartite Consultations on Resettlement (ATCR). She currently serves on UNHCR’s Advisory Board and as an expert on the Refugee and Forced Displacement Initiative at the Woodrow Wilson International Center for Scholars. Rez has received an array of awards including: 2017 Young New Zealander of the Year, 2018 Women of Influence Finalist, 2019 Outstanding Youth Delegate Award at the UN Youth Assembly, 2019 Eisenhower Youth Fellow, 2020 Global Impact Award, and 2021 Peace Ambassador for the One Young World Summit, and was recognized as a Gates Foundation Global Goalkeeper in 2022.

Marisa Leon Gomez Sonet is the Partnerships and Communications Coordinator at R-SEAT in Geneva, Switzerland. She has extensive experience in policy and advocacy on migration, refugee, and human rights issues across multilateral, national, regional, and city levels. Previously, Marisa worked with Quaker organizations to advance migration justice, lobbying U.S. Congress for regularization pathways, opposing discriminatory travel bans, and increasing refugee resettlement. At the Quaker United Nations Office (QUNO) in Geneva, she contributed to strategies for meaningful migrant participation in processes such as the Global Compact for Migration (GCM) and the International Migration Review Forum (IMRF). In Chicago, she supported sanctuary migration policies led by directly affected communities. Originally from Tegucigalpa, Honduras, Marisa began her career focusing on U.S. foreign policy and military spending in Central America in connection to human rights. She holds a Master’s in Global Affairs (International Peace Studies) from the University of Notre Dame and a Bachelor’s in Global Studies and Development from Salve Regina University.


Global voices for humanitarian assistance

Icon for listening, human ear

Inspired by Tom Fletcher’s statement of commitment to the humanitarian community when he resumed his position as Under-Secretary-General for Humanitarian Affairs and Emergency Relief Coordinator (OCHA) in November 2024, this channel provides expert views and impulses that highlight the current importance of listening, efficiency, outspokenness, and innovation in humanitarian assistance.

Humanitarian duties of Occupying Powers under international law

Author Kubo Mačák. © private

Legally speaking, “occupation” (also referred to as belligerent or military occupation) is a type of international armed conflict. It comes to existence when a territory falls under the effective control of foreign armed forces. From that point, the territory is considered “occupied”, and the foreign State becomes the “Occupying Power”.

International law contains a rich tapestry of rules safeguarding the rights and welfare of civilians living under occupation. Many of these rules appear in the 1949 Fourth Geneva Convention (GCIV), its 1977 Additional Protocol I (API), and customary international humanitarian law (IHL). International human rights law – reflected in treaties including the 1966 International Covenant on Civil and Political Rights – also continues to apply, as recently affirmed by the International Court of Justice (ICJ) in its advisory opinion on Palestine.

Serious violations of these obligations may amount to international crimes, including war crimes, crimes against humanity, or even genocide. Individuals responsible for such acts can be held criminally responsible before domestic courts or international tribunals such as the International Criminal Court. However, as treaty commitments vary among States, precise obligations can differ. What follows is a general overview, not an attribution of responsibility to any specific States or actors.

Prohibition of starvation

A central starting point is the prohibition on using starvation of civilians as a method of warfare. Starvation, in this sense, means deliberately depriving people of food, water, or other necessities for survival. As the International Committee of the Red Cross (ICRC) explained in its influential 2024 Challenges Report, the “deprivation need not be so severe as to cause death; it is enough that it would cause suffering”.

For example, blocking the entry of food and water into an occupied territory, or destroying the means to produce and distribute them may violate the prohibition. If members of the occupying forces intentionally deprive civilians of items indispensable to their survival, they may be held individually responsible for a war crime under Article 8(2)(b)(xxv) of the Rome Statute. In addition, acts undertaken without the purpose of causing starvation, but which induce food insecurity may violate other rules of IHL.

Duty to meet basic needs

The primary obligation to ensure that the needs of the occupied population are met rests with the Occupying Power. This allocation of responsibility reflects the practical realities of occupation. In many cases, the onset of occupation results in the collapse or dismantling of local governance structures. As the entity that actually controls the territory and its population, the Occupying Power is in the best position to assess and respond to humanitarian needs.

These practical considerations are also reflected in international law. Under customary IHL – as reaffirmed by the ICJ in the advisory opinion mentioned earlier – the Occupying Power “shall be regarded only as administrator and usufructuary of natural resources in the occupied territory, including but not limited to forests and agricultural estates” (para. 124). This means that it must preserve, as far as possible, the capacity of the occupied territory to provide for its own needs.

But the law goes further. Beyond merely safeguarding local production, the Occupying Power also has express duties to see to it that the basic needs of the population are met. Article 55 GCIV requires it to ensure the provision of food and medical supplies to the population, while Article 69 API extends that list to other vital supplies such as clothing, bedding, and shelter. Both provisions are subject to the qualifier “to the fullest extent of the means available to it”, recognizing that the Occupying Power may face logistical or financial difficulties. Still, it must use all means at its disposal to fulfil these obligations.

International law does not prescribe a specific model for delivering essential supplies. The Occupying Power may do so through its armed forces, civilian authorities, or through newly established structures. But whatever the arrangement, it remains legally responsible for ensuring that the population’s needs are met. In particular, it cannot evade responsibility by outsourcing distribution to private actors. If such an actor provides assistance in a discriminatory, selective, or otherwise insufficient manner, the Occupying Power remains responsible for failing to meet its obligations.

Duty to enable outside aid

In practice, humanitarian needs of the occupied population may remain unfulfilled. This can stem from the Occupying Power’s unwillingness, but also from external factors such as enemy blockades, supply chain disruptions, or natural disasters. In such cases, international law explicitly requires the Occupying Power to allow and facilitate humanitarian assistance by external actors (Article 59 GCIV). It is worth noting that IHL does not demand for an acute food crisis to materialize before offers of humanitarian aid can be made and accepted (see Ferraro, pp. 195–196).

However, if the occupied territory is, in the words of Article 59, “inadequately supplied”, the Occupying Power’s obligation to accept offers of humanitarian services is unconditional. While it may prescribe technical restrictions to verify and supervise aid delivery – for example, by inspecting consignments or setting delivery routes – it must not arbitrarily refuse, delay, or obstruct relief from third States or impartial humanitarian organizations like the ICRC. Doing so may even constitute the war crime of “wilfully impeding relief supplies” under Article 8(2)(b)(xxv) of the Rome Statute.

A particularly challenging situation arises if the Occupying Power imposes conditions that exceed permissible technical restrictions. For instance, what if it insists that humanitarian actors hand over aid for exclusive distribution by the military? While each case must be assessed on its own merits, international law does not oblige humanitarian organizations to comply with measures that would compromise the humanitarian and impartial character of their operations. In extreme circumstances, humanitarians may even have to withhold cooperation to avoid contributing to unlawful – and potentially criminal – conduct of the Occupying Power.

Conclusion

Although civilians in occupied territories often face precarious and vulnerable conditions, they are not without protection under international law. On the contrary, IHL establishes a robust protection regime, comprising an interlocking web of obligations binding on Occupying Powers and designed to safeguard occupied populations from food insecurity and other conflict-related risks. It is essential that these rules are strictly observed and effectively implemented at all times.


About the author

Dr Kubo Mačák is Professor of International Law at the University of Exeter, United Kingdom. Kubo is the author of the book Internationalized Armed Conflicts in International Law (Oxford University Press 2018) and of multiple articles in peer-reviewed journals including the International & Comparative Law Quarterly, International Review of the Red Cross, and the Journal of Conflict and Security Law. Kubo is also the General Editor of the Cyber Law Toolkit, an award-winning interactive online resource on the international law of cyber operations. Between 2019 and 2023, he served as a legal adviser at the International Committee of the Red Cross in Geneva.


Global voices for humanitarian assistance

Icon for outspokenness, men behind a lectern

Inspired by Tom Fletcher’s statement of commitment to the humanitarian community when he resumed his position as Under-Secretary-General for Humanitarian Affairs and Emergency Relief Coordinator (OCHA) in November 2024, this channel provides expert views and impulses that highlight the current importance of listening, efficiency, outspokenness, and innovation in humanitarian assistance.

Auslandskatastrophenfonds: Österreich setzt Zeichen für internationale Solidarität

Zeitungsartikel über die AG Globale Verantwortung

Der Ministerrat hat heute beschlossen, 14 Millionen Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds für Humanitäre Hilfe in neun Krisengebieten bereitzustellen. Es ist die zweite Ausschüttung in diesem Jahr und die erste, die es österreichischen Hilfsorganisationen und ihren lokalen Partnerorganisationen vielerorts ermöglicht, weiterhin das Leben gefährdeter Menschen zu retten und ihnen Chancen auf ein würdevolles Leben zu geben. Angesichts der verheerenden und oftmals sogar lebensbedrohlichen Situation von knapp 310 Millionen Menschen, die weltweit auf Humanitäre Hilfe angewiesen sind, und der 320 Millionen Menschen in 67 Ländern, die unter akutem Hunger leiden, kann es sich die internationale Gemeinschaft nicht leisten, Zeit zu verlieren.

Wir begrüßen daher, dass die österreichische Bundesregierung heute ein Zeichen der weltweiten Solidarität gesetzt hat, mit dem sie zu Frieden, Stabilität und Gerechtigkeit beiträgt. Konkret unterstützen die beschlossenen AKF-Mittel die Humanitäre Hilfe in der Ukraine, in Afghanistan und dessen Nachbarländern, in Äthiopien, Burkina Faso, Jordanien, Mosambik, Uganda, Syrien und im Libanon. Die Expertise österreichischer NGOs und ihrer lokalen Partnerorganisationen zeichnet sich etwa dadurch aus, dass sie nah bei den Menschen sind, die am dringendsten Unterstützung brauchen. Dazu zählen insbesondere Frauen, Kinder, Menschen mit Behinderungen sowie alte und kranke Menschen.

Mit den bisher im Jahr 2025 ausgeschütteten Mitteln erfüllte Österreich vorrangig internationale Verpflichtungen sowie Verpflichtungen aus dem Vorjahr. Damit österreichische NGOs mehr vorausschauende Hilfe leisten können, anstatt reaktiv zu handeln, müssen die Mittel künftig frühzeitiger bereitgestellt werden. Denn wie für das Löschen eines Brandes gilt auch für die Humanitäre Hilfe in Konflikt- oder Dürreregionen: Investitionen in Prävention sind immer günstiger und Schnelligkeit rettet Leben und macht Hilfe wirksamer.

Lukas Wank,
Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung

Menschenrechte als fester Bestandteil wirksamer Politik – für Stabilität, Frieden und Gerechtigkeit weltweit

Wenn die Menschenrechte zum festen Bestandteil einer wirksamen Politik werden, kann Österreich die Krisen anpacken und weltweit zu Stabilität, Frieden und Gerechtigkeit beitragen. Die Bundesregierung sollte die Chance, die der aktuelle UPR-Prozess dafür bietet, unbedingt nutzen.

Melanie Bernhofer, Fachreferentin für Entwicklungspolitik und Menschenrechte der AG Globale Verantwortung

„Menschenrechte sind auch im 21. Jahrhundert keine Selbstverständlichkeit. Menschen werden von ihrem Land vertrieben und diskriminiert. Sie werden in ihrer Meinungsfreiheit und in ihrem Recht auf eine gesunde Umwelt beschnitten. Sie arbeiten unter unsicheren und gesundheitsschädlichen Bedingungen für zu wenig Lohn. Sie werden Opfer von Zwangs- und Kinderarbeit, von sexueller und geschlechtsbasierter Gewalt und von Kriegsverbrechen. Zivilgesellschaftliche Organisationen und Aktivist*innen setzen sich weltweit dafür ein, dass alle Länder die Menschenrechte nicht nur gesetzlich verankern und einhalten, sondern auch stärken“, erläutert Melanie Bernhofer, Fachreferentin für Entwicklungspolitik und Menschenrechte der AG Globale Verantwortung.

Auch wohlhabende Länder sind im Schutz der Menschenrechte weiterhin säumig. Bei Österreichs vierter Universellen Menschenrechtsprüfung (Universal Periodic Review, UPR) vor dem UN-Menschenrechtsrat, der im Jänner 2026 zu Ende geht, werden andere UN-Mitgliedsstaaten in einem Peer-Review-Prozess Mängel aufzeigen und erneut Empfehlungen abgeben. Im Vorfeld dessen ist heute ein gemeinsamer Menschenrechtsbericht von 300 österreichischen NGOs präsentiert worden, den sie den Vereinten Nationen vorlegen werden.

Luft nach oben bei Einbindung von Frauen, Kindern und Menschen mit Behinderungen

Die AG Globale Verantwortung habe sich mit der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar und mit Licht für die Welt angesehen, wie der Staat im Rahmen der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA), Humanitären Hilfe und Unternehmensverantwortung weltweit Menschenrechte besser schützen und stärken könne, berichtet Bernhofer. „Zum Beispiel sollte der menschenrechtsbasierte Ansatz in allen Bereichen der österreichischen Außen- und Entwicklungspolitik fest verankert sein. Bei der strukturellen Einbindung von benachteiligten und gefährdeten Menschen – dazu zählen Frauen, Kinder und Menschen mit Behinderungen – sowie von zivilgesellschaftlichen Organisationen gibt es deutlich Luft nach oben. Und Österreich könnte mehr Unternehmen strengere Sorgfaltspflichten zum Schutz von Menschenrechten, Klima und Umwelt auferlegen, als es etwa das verwässerte EU-Lieferkettengesetz vorsieht.“

Menschenrechte als fester Bestandteil der politischen Praxis – für Stabilität, Frieden und Gerechtigkeit weltweit

„Nach Jahren der Erfolge haben die Klimakrise, politische Gewalt, Kriege, Schuldenkrisen und die COVID-19-Pandemie den Menschenrechten in vielen Ländern einen ordentlichen Dämpfer versetzt. So auch in den OEZA-Schwerpunktländern Äthiopien, Burkina Faso, Mosambik und in den palästinensischen Gebieten. Wenn die Menschenrechte zum festen Bestandteil einer wirksamen Politik werden, kann Österreich die Krisen anpacken und weltweit zu Stabilität, Frieden und Gerechtigkeit beitragen. Die Bundesregierung sollte die Chance, die der aktuelle UPR-Prozess dafür bietet, unbedingt nutzen“, appelliert Bernhofer abschließend.

(hh)


Link

Beitrag (11.07.2025): Österreichs vierte Universelle Menschenrechtsprüfung: So setzen wir uns auf UN-Ebene für Menschenrechte ein

The humanitarian challenge: How to do more with less

Author Fati N’Zi-Hassane © Oxfam in Africa

True efficiency isn’t about spending less. It’s about delivering better. It must serve not only the expectations of donors and taxpayers, but most importantly, the needs of the communities we aim to support. In a time of decreasing resources, our approach must be guided by those at the heart of every crisis. How can we ensure they receive timely, effective aid when it matters most? Any push for efficiency must begin and end with them.

The current humanitarian aid system has drifted away from this principle, turning international actors into permanent service providers. We justify this presence by telling ourselves that we are there because there are still needs. And there are. But we also have to ask ourselves why, after decades of presence in a country, are we still providing humanitarian assistance? And whether or not there are other actors better placed to do so among local government, leadership structure, civil society and local NGOs.

It’s time for a deliberate shift where an international humanitarian response is limited to acute, time-bound crises, with a clear plan from day one to hand over to national or local actors. This demands a proactive transition strategy, one that identifies local leadership, builds or supports capacity, and aligns funding accordingly. Donors can help drive this. They can structure their funding with envelopes that progress every year to shift leadership and resources to local and national actors in line with an international phase-out plan.

Efficiency here means reducing dependency, avoiding duplication, and allowing communities to take control of their own recovery. When international players stay too long, they risk setting up a parallel system. And the consequences can be catastrophic: a badly done withdrawal of humanitarian aid (as when funding disappears overnight is abandonment) but if done well, with a clear handover to local leaders, it’s empowerment.

Fund what is important, not just what is lifesaving

You cannot consider efficiency if you’re not building a system that is efficient for the communities it aims to serve. Communities consistently tell us they want more than just lifesaving aid. They want safety, dignity, and the ability to rebuild. As resources shrink, this will be increasingly challenging, but we cannot lose all the gains we’ve made so far at bridging short-term emergency relief and long-term development efforts. Handing over an international response to local actors must also consider pathways to long-term sustainability. Response modalities such as cash assistance, supporting people to earn a living, protecting of the civilians’ dignity and rights remain essential in this respect. We cannot take a back-to-basics approach that leads to people being stuck in aid dependency and aid agencies stuck in ongoing service provision. We need far more detailed planning for how humanitarians can have both a quick impact as well as plan to shift away from emergency response, with better placed local actors leading the recovery.

Efficiency must retain diversity

In the drive for efficiency, we need to guard against a centralization of power. A resilient humanitarian system must be diverse and pluralistic. Local women’s organizations, refugee-led initiatives, diaspora groups, local and international NGOs, Red Cross societies, and UN agencies all bring unique strengths. Overlap between them ensures there is no single point of failure and promotes a diversity of views. Efficiency must include supporting a layered, interconnected web of responders, each doing what they do best. While this may actually be less efficient for donors who have to oversee a diversity of grants, it will be more efficient for the response. The complexity of multiple grants can be simplified through common reporting requirements, pooled funds led by NGO consortia and the UN, and shared services to manage the complexity.

Reforming pooled funding for local leadership

There has been a lot of discussion of UN-run Country-Based Pooled Funds (CBPFs). These funds are important because they can disburse funds quickly, based on assessed needs, and offer simpler processes for donors. But CBPFs aren’t the only option. Pooled funds run by NGOs can sometimes be easier for smaller local organizations to access, with fewer administrative hurdles. These funds deserve more support. They should be standardized, expanded, and used more widely. One option may be a “scorecard” approach to assess pooled funds based on aspects like speed, cost efficiency, inclusivity, response standards, accountability and governance. Such transparency can drive improvement and allow donors to make informed choices.

Conclusion: efficiency, equity, and trust

The humanitarian reset must not be a trimming exercise. It must be a transformation, one that rebalances power, prioritizes community-defined outcomes, and restructures funding and planning systems. Our goal should not just be a leaner system, but one where each diverse entity (local and international NGOs, civil society, local government, UN and Red Cross), works in line with their respective strengths and weaknesses to meet immediate needs and establish a long-term, sustainable plan for those communities to not just survive, but to move beyond crises and thrive.


About the author

Fati N’Zi-Hassane has been Oxfam’s Africa Director since October 2022.

Previously at the African Union Development Agency (AUDA-NEPAD) which she joined in 2016 as Chief of Staff to the Executive Secretary, Dr. Ibrahim Assane Mayaki, she subsequently held the position of Head of the Skills and Employment Programme which she supervised the creation within the same institution, before being promoted to Head of the Human Development and Institutions Division. In this last role with AUDA-NEPAD, she oversaw the Health component to the Agency’s response to the COVID-19 crises, the creation of a Gender Programme, and numerous projects aligned to Nutrition, Education and Employment continental strategic priorities.

Before joining AUDA-NEPAD, Fati worked in Europe for more than ten years as a management consultant and program manager in large international groups, supporting the transformation of private and public entities.

Fati holds a bachelor’s degree in Statistics with a major in Demography from the National School of Statistics and Applied Economics of Abidjan, (2002) and an MBA from ESSEC Paris (2005).

She speaks French, English and Hausa.


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Inspired by Tom Fletcher’s statement of commitment to the humanitarian community when he resumed his position as Under-Secretary-General for Humanitarian Affairs and Emergency Relief Coordinator (OCHA) in November 2024, this channel provides expert views and impulses that highlight the current importance of listening, efficiency, outspokenness, and innovation in humanitarian assistance.


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