Lernwerkstätten dienen dem Erfahrungsaustausch und Peer-Learning von Mitarbeiter*innen der Mitgliedsorganisationen der AG Globale Verantwortung.
In der Lernwerkstatt Lokalisierung soll es einen Austausch zu folgenden Themen und geben:

  • Wer versteht was unter „Lokalisierung“?
  • Locally-led assistance: Wie können österreichische Organisationen dazu beitragen die Kapazitäten und wirtschaftliche Basis der lokalen Organisationen zu stärken, z.B. durch Sicherung der Overheadkosten, Investitionen in Personal und Infrastruktur (Ausstattung, Büro etc)?
  • Wie kann die Partizipation der lokalen Bevölkerung– von der Datenerhebung,  über die Entscheidungen über Maßnahmen bis Feedbackmechanism – an Maßnahmen der EZA/HuHi gewährleistet werden  (vgl. Community Engagement and Accountability | IFRC)
  • Wie können nationale/lokale Organisationen dabei unterstützt werden eine stärkere Rolle in internationalen (Koordinierung-)Mechanismen, in denen große UN-Agencies und INGOs unverhältnismäßig viel Macht haben, zu spielen?
  •  25% für lokale Akteur*innen „as directly as possible” – was bedeutet das für die österreichische EZA/HuHi?
  • Welche Rolle sollen/werden die österreichischen Organisationen in Zukunft spielen? Was können sie v.a. in Kontexten in denen der Raum für nationale NGOs politisch stark eingeschränkt ist, oder bei Themen wie SOGIESC/LGBTIQ+, leisten?

Anmeldung bis 27.05.2024 bei birgit.mayerhofer@globaleverantwortung.at

Download Einladung

Food for thought:
Der Bericht Unfulfilled promises in the humanitarian sector[1] von CHA und Caritas stellt fest, dass Commitments des Grand Bargain nur sehr unzureichend erfüllt werden und empfiehlt:

  • Das 25%-Ziel des Grand Bargain (Vergabe über max. eine Zwischenorganisation bzw. „as directly as possible”) wird selten erreicht. Geberorganisationen sollen einen konkreten Plan zur Erreichung des 25 %-Ziels aufstellen.
  • Lokale Organisationen bekommen meist nur projektbezogene Kosten, aber keine Overheadkosten bezahlt. Geber sollten sich verpflichten, eine Organisationspolitik zu entwickeln, die auf die Deckung der Overheadkosten lokaler Organisationen abzielt.
  • Führungsrolle lokaler Organisationen in Koordinierungsforen sollen aktiv unterstützt werden, sodaß diese die Agenda und Prioritäten der humanitären Maßnahmen bestimmen.
  • Die Geber sollten einen größeren Teil des Finanz- und Sicherheitsrisikos übernehmen, das derzeit von den lokalen Organisationen getragen wird.

Auf der Website des IFRC[2] findet man ähnliche Empfehlungen zu Lokalisierung. CARE International[3] und viele weitere Organisationen haben ebenfalls bereits viel Energie in das Thema investiert.

Aus dem Globalen Süden kommt aber auch harsche Kritik an den „Lokalisierungsstrategien“ von INGOs, die immer öfter „nationale Organisationen“ gründen, um weiterhin als „lokal“ zu gelten. „Local ownership and leadership are subordinate to a global north strategy or governance […]. Let’s not forget why international NGOs establish country offices. It is to maintain control over their operations and access to funding that has been devolved to the country-level offices of donors. This disqualifies them from being locally led, no matter how many local people are employed or sit around the Boardroom table. […] If local organisations find themselves always competing for funding with international NGOs who are also presenting themselves as local, then what hope is there for the development of a genuinely home-grown civil society, accountable to its communities and able to chart its own path? The role of international NGOs must change, from implementers to sidekicks and advocates, providing solidarity and support when requested and needed, but not before.”[4] Gleichzeitig besteht für lokale NGOs oft große Gefahr von autoritären Regimen, die ihren Handlungsraum stark einschränken


[1] https://www.caritas.eu/locally-led-humanitarian-action/

[2] https://www.ifrc.org/happening-now/advocacy-hub/localization

[3] https://www.careemergencytoolkit.org/wp-content/uploads/2017/03/Public-CAREs-Localization-Framework.pdf

[4] Dear USAID; let’s make sure that “local” really means “local” – Peace Direct