"Solange nicht alle Menschen auf dem Planeten geimpft sind, besteht das enorme Risiko, dass neue Virusvarianten den Impfschutz unterlaufen. Das kann auch in Europa zu neuen Ausbrüchen und weiteren Lockdowns führen", betont Annelies Vilim, Geschäftsführerin der AG Globale Verantwortung, dem Dachverband von 34 Organisationen aus den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe: "Nur wenn wir uns engagiert dafür einsetzen, dass weltweit qualitativ hochwertige Impfstoffe eingesetzt werden, Gesundheitssysteme rasch gestärkt und der Zugang zu medizinischer Ausrüstung sowie die dafür notwendige Logistik und Infrastruktur ausgebaut werden, können wir diese Pandemie stoppen".

Anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April verweist die AG Globale Verantwortung auch auf die schweren Folgen der COVID-19-Pandemie und Lockdowns in Ländern des Globalen Südens: "Erkrankten am afrikanischen Kontinent vorerst weniger Menschen an COVID-19 als etwa in Europa, stiegen die Infektionszahlen ab Ende 2020 in manchen Regionen um mehr als 25 % an. Die gesamtafrikanische Todesrate lag Anfang 2021 erstmals über dem globalen Durchschnitt, viele Menschen erhielten keine ausreichende medizinische Behandlung. Während Österreich über rund 75 Spitalsbetten pro 10.000 EinwohnerInnen verfügt, sind es in Äthiopien gerade einmal drei", schildert Vilim. 76 % aller afrikanischen Haushalte hätten keinen ständigen Zugang zu Seife und sauberem Wasser – besonders schlimm sei die Hygiene- und Gesundheitssituation in Flüchtlingslagern. Laut WHO habe die Hälfte der Weltbevölkerung keinen Zugang zu den wichtigsten Gesundheitsservices, auch hier sei Subsahara-Afrika mit 42 % am meisten betroffen.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte Ende Februar in aller Deutlichkeit auf die steigende Ungleichheit hingewiesen, als 10 Staaten über 75 % des vorhandenen Impfstoffs verfügten und mehr als 130 Länder über gar keinen. Seither läuft die COVAX-Initiative für eine globale Verteilung von COVID-19-Impfdosen: "Erst 30 von 54 afrikanischen Ländern haben bislang Impfstoffe erhalten – bei Weitem nicht genug, um rasch gegen Corona zu immunisieren. Nur eine gerechte, weltweite Verteilung hochwertiger Impfstoffe kann dafür sorgen, dass wir nicht immer wieder gegen neue Virusvarianten ankämpfen müssen. Dafür braucht es allerdings auch entsprechende Gesundheitssysteme. Und es muss uns gelingen, jene Staaten, die durch COVID-19 und Lockdowns mehrfach belastet sind – weil durch sie Armut, Hunger, Arbeitslosigkeit und Gewalt steigen –, wirtschaftlich und gesellschaftlich mit entsprechenden Maßnahmen zu stabilisieren. Es ist in unserem eigenen Interesse, das Virus weltweit zu besiegen", schließt Vilim.

Auf unserer Webseite www.globaleverantwortung.at berichten wir laufend über Auswirkungen von COVID-19 und den Lockdowns auf Menschen in Ländern des Globalen Südens. Und wir zeigen, wie und wo unsere Mitgliedsorganisationen Menschen im Kampf gegen Corona unterstützen.

(hh)