Von den MDGs zur Post-2015 Agenda - Aufbruch zu mehr Geschlechtergerechtigkeit?

(12.11.2014 - Bericht) WIDE-Studie
Bis 2015 sollten die acht Millenniumsentwicklungsziele (MDGs), die die Staatengemeinschaft zur Bekämpfung der Armut im Jahr 2000 formuliert hat, erreicht werden. Das ist bei den frauenpolitischen Zielen, zu welchen sich auch Österreich verpflichtet hat, nicht der Fall.


WIDE, das entwicklungspolitische Netzwerk für Frauenrechte und feministische Perspektiven, zeigt dies in einer aktuellen Publikation zu den Fortschritten für Mädchen und Frauen auf. Denn einigen Fortschritten zum Trotz – dem Anstieg der internationalen EZA-Mittel für Frauenförderung in den letzten zwei Jahrzehnten – erschweren Lohndiskriminierung und Unterbewertung der Arbeit von Frauen, ungenügende soziale Absicherung und Gewalt gegen Frauen weiterhin ihre Gleichstellung. Auch wenn auf globaler Ebene die Einschulungsrate von Mädchen und Jungen heute gleich hoch ist, bleibt die Drop-Out-Rate von Mädchen höher. Vor allem bei der höheren Schul- und Berufsbildung zeigen sich starke Unterschiede. Auch im Bereich Gesundheit bleiben Probleme bestehen: Nachdem bei über 15 Mio. der 135 Mio. jährlichen Geburten weltweit das Alter der Mütter zwischen 15 und 19 Jahren liegt, stellen Teenager-Schwangerschaften nach wie vor ein erhöhtes Risiko für Mutter und Kind dar.

Dabei erfüllt der österreichische Beitrag zur Überwindung dieser Verhältnisse und damit zur Erreichung der MDGs keine Vorbildfunktion, ganz im Gegenteil: Seit der Krise 2009 werden die österreichischen EZA-Mittel massiv gekürzt – mit direkten Auswirkungen auf die Frauenförderung: Konkret sanken die von der Austrian Development Agency (ADA) vergeben Mittel für die Förderung geschlechtersensibler Projekte und Programme von 80 Millionen im Jahr 2008 auf 45 Millionen Euro im Jahr 2012.
WIDE empfiehlt daher für die Post-2015 Entwicklungsziele die intensivere Verankerung der Frauenförderung und Gender-Aspekte und die stärkere Verbindung von Empowerment von Frauen und Mädchen mit Zielen der ökologischen Nachhaltigkeit.
Für die Gleichstellung von Frauensind vor allem makroökonomische Reformen von Bedeutung: Um der immer höheren globalen Vermögenskonzentration, den multiplen Krisen und der ökologischen Zerstörung entgegenzuarbeiten, brauche es neue Ansätze in der Steuer- und Handelspolitik.
Mit dem Blick zurück und mit Bezug auf die Schwerpunktländer der österreichischen EZA, will die Publikation von WIDE dazu beitragen, das Verständnis für die Herausforderungen in der Debatte um eine globale Nachhaltigkeitsagenda und die Verwirklichung der internationalen Frauenrechte zu schärfen.

Veranstaltungshinweis:
Die WIDE-Studie wird am 13.November 2014 um 18 Uhr im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung in Wien präsentiert
Uni-Campus, Seminarraum „Alte Kapelle“, Spitalgasse 2, 1090 Wien

Mehr Informationen:
WIDE: Von den Milleniumsentwicklungszielen zur Post-2015 Agenda: Blick(e) auf den österreichischen Beitrag zur Gleichstellung von Frauen in der Entwicklungspolitik

(ck)
 

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