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"Die Lage in Camps wie Kara Tepe spitzt sich zu, die Lebensumstände und Gesundheit Tausender schutzsuchender Menschen verschlechtern sich Tag für Tag", verdeutlicht Annelies Vilim, Geschäftsführerin der AG Globale Verantwortung, dem Dachverband von 34 Organisationen aus den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe, die dramatischen Ausmaße der humanitären Katastrophe in Griechenland.

Auf Lesbos, Chios und Samos dürften rund 19.000 Menschen – trotz durchgeführter Verbesserungsmaßnahmen – in teils undichten und unbeheizten Zelten hausen, die keinen ausreichenden Schutz vor Regenfluten, Schlammmassen, Orkanböen und Schneefällen bieten. "Kinder haben Krätze, werden von Ratten gebissen, hausen im Schlamm. Es gibt kaum Wasser und wenig Sanitäreinrichtungen. In diesen Lagern werden grundlegende Menschenrechte missachtet – und das im Europa des 21. Jahrhunderts, inmitten der COVID-19-Krise. Das ist einem Friedensprojekt, als das sich die EU selbst bezeichnet, schlicht unwürdig", hält Vilim fest und ergänzt: "Wir fordern die Regierungschefs Europas auf, gemeinsame Lösungen zu finden und diese Schande zu beenden. Wir appellieren erneut an die österreichische Bundesregierung, besonders Schutzbedürftige und Kinder zu evakuieren, am Relocation-Programm teilzunehmen und ihnen so einen Ausweg aus der unmenschlichen und unnötigen Not zu ermöglichen."

Zahlreiche Gemeinden, zivilgesellschaftliche Organisationen, KünstlerInnen und PolitikerInnen sowie BürgerInnen haben sich freiwillig gemeldet, Menschen aus den Lagern aufzunehmen, und appellieren seit Monaten an die Bundesregierung. "Immer mehr EuropäerInnen dulden diese humanitäre Katastrophe inmitten der Union nicht. Es gilt, Menschen und Menschlichkeit vor nationale oder parteiliche Interessen zu stellen und angesichts der humanitären Not gemeinsame Lösungen zu finden", schließt Vilim.