Die Pandemie ist nicht nur eine Gesundheitskrise, sondern auch eine Wirtschaftskrise. So kalkulieren die AutorInnen des Reports, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2020 um 4,3 % geschrumpft ist (Stand 11.2020). Der Bericht warnt, dass die ökonomischen Schäden der COVID-19 Pandemie, nicht nur nach der Gesundheitskrise weiterhin zu spüren sind, sondern auch bestehende soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten verschärfen. Darüber hinaus untergraben sie die bereits erzielten Fortschritte bei der Reduzierung der Armut und anderer wichtiger Entwicklungsziele. Zudem hat die Krise das Potenzial über 130 Millionen Menschen in die extreme Armut zu stürzen.

Ungleich verteilte Auswirkungen der Krise

Der Bericht analysiert die Auswirkungen der Pandemie und der Lockdowns auf die Bereiche globaler Handel, Investitionen, Produktion, Beschäftigung und Lebensunterhalt. Dabei stellen die AutorInnen fest, dass die Folgekosten signifikant asymmetrisch und ungleich verteilt sind. Auf einer globalen Ebene, aber auch innerhalb der verschiedenen Länder ist zu sehen, dass Haushalte mit niedrigem Einkommen, MigrantInnen, informell Beschäftigte und Frauen unverhältnismäßig stark von der Pandemie, aber auch von den ökonomischen Folgekosten betroffen sind. So ist im Bericht zu lesen, dass in den 32 Ländern, für die geschlechtsspezifisch aufgeschlüsselte Daten verfügbar sind, die Arbeitslosigkeit bei Frauen stärker gestiegen ist als bei Männern. Dies führen die VerfasserInnen des Reports unter anderem darauf zurück, dass durch die Krise vor allem die Sektoren Tourismus und Kleinst-, Klein- und Mittelbetriebe -, betroffen sind, in welchen viele vulnerable Gruppen beschäftigt waren.
Auch die Schulschließungen tragen dazu bei. Es bestehe die Gefahr, dass COVID-19 die Fortschritte bei der Ausweitung des Zugangs zu Bildung, insbesondere für Mädchen, rückgängig macht. Dies würde sich auf langer Sicht auch negativ auf die Produktionskapazitäten der Länder auswirken, prognostiziert der Bericht.

Diese ökonomischen Folgen der Pandemie wirken sich, zusammen mit weiteren Faktoren, auch auf die weltweite Armutsrate aus. Diese stieg erschreckenderweise aufgrund der Pandemie zum ersten Mal seit 1998. Lag diese im Jahr 2018 noch bei 8,6 % so stieg sie im Jahr 2020 auf 8,8 %, Tendenz weiter steigend.

Ungleiche Reaktionen auf die Krise

Doch nicht nur die durch die COVID-19-Krise verursachten Ungleichheiten sind eklatant, auch die ungleichen Reaktionen auf die Krise sind es. Dies wird aktuell besonders deutlich bei der Produktion und der Bereitstellung von Impfstoffen. Aber auch bei fiskalischen Anreizen des Staates oder der Kompensation entgangener Einnahmen ist dies zu beobachten. Der UNCTAD-Report zeigt, dass die durchschnittlichen zusätzlichen Pro-Kopf-Ausgaben für eben solche Maßnahmen, in den entwickelten Ländern und Schwellenländern seit dem Ausbruch der Krise 1.365 US-Dollar betragen haben, verglichen mit nur 18 US-Dollar in den am wenigsten entwickelten Ländern (LDCs) und 76 US-Dollar in anderen Entwicklungsländern. Die global ungleichen Reaktionen auf die Pandemie bedingen dabei die asymmetrisch verteilten Auswirkungen der Krise, da ärmere Länder zumeist nicht über die notwendigen Ressourcen und Netzwerke verfügen, um ihre Bevölkerung zu unterstützen. So schätzen die AutorInnen des Reports, dass etwa 79,4 % der ArbeiterInnen in Afrika südlich der Sahara und 84,5 % der ArbeiterInnen in den am wenigsten entwickelten Ländern (LDCs) keinen Zugang zu sozialen Schutz- oder Arbeitsprogrammen haben. Hier sei, wie der Bericht fordert, internationale Unterstützung besonders wichtig. Explizit thematisieren die StudienverfasserInnen in diesem Zusammenhang einen Schuldenerlass für ärmere Länder, damit sie den nötigen fiskalischen Spielraum haben, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auf ihre Bevölkerung zu bewältigen.

Ein Fahrplan in die „neue Normalität“

Die Analyse als Grundlage nutzend, formuliert der Report abschließend einen Vorschlag für einen Recovery-Plan. Dieser beinhaltet akzentuierte, aber auch tiefliegende Veränderungen. Der Report fordert beispielsweise solche Veränderungen in den Bereichen globaler Handel, multilateraler Zusammenarbeit und den globalen Produktionsnetzwerken. Der Plan zielt dabei auf die Herausbildung einer nachhaltigen Produktion und eines nachhaltigen globalen Warenverkehrs ab. Dies sei essenziell, da bei dem ‚Wiederaufbau‘ der Volkswirtschaften sichergestellt werden müsse, dass die gesetzten Maßnahmen im Einklang mit der Bekämpfung der Klimakrise stehen und dem 1,5 Grad Limit entsprechen. So kann dem Bericht zufolge, die Krise ein Katalysator für die Herausbildung neuer, umweltfreundlicheren, widerstandsfähiger Produktionsnetzwerke sein, die auf kürzeren, regionaleren, nachhaltigeren und digitalen Wertschöpfungsketten basieren.

Ein solcher Veränderungsprozess müsste jedoch bereits jetzt, zeitgleich mit der Produktion und Verbreitung der Impfstoffe, angestoßen werden, da ansonsten riskiert wird bereits bestehende Ungleichheitsverhältnisse zu reproduzieren oder zu verstärken. Dementsprechend diagnostiziert Mukhisa Kituyi, Secretary-General der UNCTAD, im Vorwort des Berichts, dass die Bereitstellung eines Impfstoffs für die gesamte Menschheit von größter Bedeutung ist.

Weiterführende Links:

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(ge)