COVID-19 brachte die Gesundheitsversorgung weltweit an ihre Grenzen, in einigen Ländern des Globalen Südens brach sie zeitweise sogar vollends zusammen. Die ohnehin schwach aufgestellten Gesundheitssysteme waren den zusätzlichen Belastungen nicht gewachsen. Aber vor welchen Herausforderungen genau steht die Gesundheitsversorgung in diesen Ländern? Welche innovativen Lösungsansätze gibt es bereits und welche Chancen eröffnen sich für Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NRO), die einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung speziell in Ländern des Globalen Südens leisten möchten? 

Diesen und weiteren Fragen gingen das Online Forum „Digital Solutions and Innovative Partnerships for Global Health“ am 16. Juni 2021 nach. Auf der Bühne standen inspirierende Beispiele von Unternehmen, Start-Ups und entwicklungspolitischen NRO, die zeigten, wie Gesundheitssysteme in Ländern des Globalen Südens gestärkt werden können.

Ein Plädoyer für systemische, nachhaltige Lösungen

Wie mit innovativen Geschäftsideen und Partnerschaften allen Menschen weltweit Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung ermöglicht werden kann – darüber sprach Aline Menden, Geschäftsführerin von Endeva, in ihrer Keynote. Einleitend verwies sie auf die wichtigsten Herausforderungen vor denen die Gesundheitsversorgung in Ländern des Globalen Südens steht, die vier „As“. So hätten viele PatientInnen keinen Zugang zu Gesundheitseinrichtungen und Medikamenten (Availability) oder könnten sich diese schlicht nicht leisten (Affordability). Oft fehle es aber auch an verlässlichen Informationen darüber, welche medizinischen Angebote es gäbe (Awareness) oder die vorhandene medizinische Versorgung sei für die Menschen nicht akzeptabel (Acceptability). Aline Menden zeigte sich angesichts dieser Herausforderungen dennoch optimistisch: Es gäbe unzählige innovative Produkt- und Geschäftsideen, die Lösungen für genau diese Probleme böten. Beispielsweise unterstützten innovative Apps bei der Ferndiagnose, innovative Logistiklösungen brächten lebenswichtige medizinische Produkte auch in entlegene Regionen. Aline Menden merkte jedoch an, dass auch die innovativsten Lösungen langfristig nur erfolgreich seien, wenn sie keine Insellösungen blieben. Sie appellierte daher an alle TeilnehmerInnen der Veranstaltung, sich bereits in der Anfangsphase einer Projektentwicklung (mehrere) Partner zu suchen, die Ursachen des Problems gemeinsam zu analysieren, mögliche Lösungen gemeinsam zu entwickeln (co-creation) und auch gemeinsam umzusetzen. Denn es brauche systemische, nachhaltige Lösungen um das langfristige Ziel, SDG 3 - Gesundheitsversorgung für alle, zu erreichen.

Synergien nutzen - mehr erreichen

In der anschließenden Paneldiskussion griff Dario Giuliani, Geschäftsführer von Briter Bridges, die in der Keynote erwähnten Herausforderungen auf und bekräftigte, dass einzelne Akteure mit ihren innovativen Ideen in Isolation nicht den nötigen systemischen Wandel herbeiführen könnten – das gelänge nur durch Partnerschaften. In dieselbe Kerbe schlug Prateek Ahuja, Programmmanager bei Medronic LABS und plädierte dafür, das Rad nicht immer wieder neu zu erfinden. Es mache Sinn, in einem ersten Schritt bereits vorhandene Lösungen zu sichten, zu bewerten und ggf. mit eigenen Lösungen zu ergänzen, um so die größtmögliche Wirkung zu erzielen. Großes Potential sehe er auch in Kooperationen mit entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen, da diese über Jahre eine Vertrauensbasis mit lokalen communities aufgebaut hätten. Es gelte, diese wertvolle Expertise der NROs zu nutzen und mit der eigenen Expertise optimal zu ergänzen. Dem schloss sich auch Alex Burrough, Geschäftsführerin von Live Well Zambia, an. Live Well ist ein erfolgreiches Community Health Worker Program, welches aus einer gemeinsamen Initiative der NGO CARE International sowie der Unternehmen GlaxoSmithKline und Barclays entstanden ist. Alex Burrough verwies auf die unterschiedlichen Stärken, welche die Partner in das gemeinsame Projekt einbringen würden. Auf Seiten der beiden Unternehmen gehöre dazu etwa unternehmerisches Wissen und eine funktionierende globale Wertschöpfungskette, auf Seiten der NRO etwa ein dichtes lokales Partnernetzwerk und Erfahrung im Umgang mit FördergeberInnen. Abschließend betonte Aline Menden den Mehrwert solcher Partnerschaften für die beteiligten Unternehmen und NRO. Die Unternehmenspartner hätten die Gelegenheit neue Märkte kennenzulernen und Fuß zu fassen. Die NRO-Partner wiederum könnten wirkungsvolle Projekte aufsetzen, die sich langfristig selbst finanzieren können. Ausschlaggebend für den Erfolg jeder Partnerschaft sei ein transparenter Umgang mit Erwartungen und eine gemeinsame Vision.

Inspiration und Impulse

Im zweiten Teil der Veranstaltung nutzten die TeilnehmerInnen die Gelegenheit zur vertieften  Auseinandersetzung: Drei parallele Sessions boten Impulsvorträge zu innovativen Geschäftsmodellen und Finanzierungsmöglichkeiten, zu Aus- und Weiterbildungsprogrammen in Ländern des Globalen Südens sowie zu digitalen Gesundheitslösungen. Beim abschließenden Wrap-up zeigten sich die TeilnehmerInnen inspiriert und voller Tatendrang, mit ihrer Expertise ebenfalls zur Erreichung von SDG3 – Health and Wellbeing for all – beitragen zu wollen.

Diese Veranstaltung wurde von Globale Verantwortung – Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Österreich organisiert.

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(ir)