Ankündigung des Co-Creation Workshops am 26.01.2022
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Während des virtuellen Workshops machten sich 31 Expert*innen auf die Suche nach Lösungen für fünf konkrete Herausforderungen (Challenges), vor denen Unternehmen und NRO bei ihrer Arbeit in Ländern des Globalen Südens stehen.

Die Challenges

Konkret befasste sich ein Team mit der Frage, wie eine leistbare und verlässliche Energieversorgung von Sozialzentren in der Republik Moldau erreicht werden kann. Ein anderes Team machte sich auf die Suche nach Ideen für eine langfristige Unternehmens-NRO-Kooperation zu Mütter-Baby-Gesundheit in Subsahara-Afrika. Der grundsätzlicheren Frage, wie Partnerschaften zwischen NRO und Startups dabei unterstützt werden können, sich in Ländern des Globalen Südens zu etablieren, ging ein weiteres Expert*innenteam nach. Das vierte Team machte sich Gedanken dazu, wie in Subsahara Afrika qualifizierte Fachkräfte im Bereich Biomedical Engineering gewonnen werden können, ohne Expert*innen aus dem nicht-afrikanischen Ausland entsenden zu müssen. Der Austausch der fünften Expert*innengruppe drehte sich um das Thema unternehmerische Sorgfalt in der Lieferkette und welche Unterstützung Unternehmen dafür benötigen.

Für jede Challenge wurde bereits im Vorfeld des Workshops gezielt ein Team aus NRO, Unternehmen und Wissenschafter*innen zusammengestellt, wobei darauf geachtet wurde, dass sich die Expertisen der einzelnen Teammitglieder optimal ergänzen.

Zuerst verstehen, dann lösen

Die erste Hälfte des Workshops verbrachten die Teams damit sich mit verschiedenen Facetten ihrer Challenge auseinanderzusetzen und ein Gefühl für die Bedürfnisse der Zielgruppe zu entwickeln ohne bereits über konkrete Lösungen nachzudenken. Die Teammitglieder hatten die Gelegenheit, diverse Aspekte der Challenge zu hinterfragen und ein besseres Verständnis für die Problemstellung zu entwickeln. Unterstützt wurde dieser Prozess durch kurze Videobotschaften der Zielgruppe aus dem Globalen Süden oder eine Einbindung von Angehörigen der Zielgruppe in das Expert*innenteam. Anschließend einigten sich die Teams auf einen Aspekt ihrer Challenge, in dem sie großes Potential sahen, und entwickelten erste Ideen und Lösungsansätze. Die vielversprechendste Idee visualisierten sie schließlich mit kreativen Methoden.

Im intensiven Austausch mit Menschen, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Erfahrungen und Expertisen die Herausforderungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachteten, entwickelten alle fünf Teams kreative Ideen zur Lösung ihre Challenge. In kurzen Follow-Up Sessions eine Woche später kamen die Teams nochmal zusammen, um den Austausch zu vertiefen und nächste Schritte zu definieren. Viele Teilnehmer*innen äußerten sich motiviert, an den Ideen dranzubleiben und diese gemeinsam mit anderen Teammitgliedern weiterzuentwickeln und umzusetzen.

Der Workshop und die darauf aufbauenden Follow-Up Sessions wurden von Shift11, einer Wiener Agentur für kundenzentrierte Innovation und Experience Design, begleitet.

Die Challenges im Überblick

Energie- und ressourceneffiziente Sozialzentren in der Republik Moldau 

Die entwicklungspolitische NRO CONCORDIA Sozialprojekte betreibt zahlreiche Sozialzentren in der Republik Moldau, in denen Kinder, Jugendliche und alte Menschen unterstützt werden. CONCORDIA möchte die Abhängigkeit der Sozialzentren von externen Energieversorgern reduzieren, um den Bewohner*innen und Besucher*innen eine zuverlässige und leistbare Energieversorgung bieten zu können. Während des Workshops diskutierte das Expert*innenteam die Möglichkeit, dass die Sozialzentren selbst Energie erzeugen (etwa über Photovoltaikanlagen) und verkaufen und diese Umstellung mittels Impact Investment Kampagnen finanzieren. Alle Teammitglieder zeigten sich bereit, CONCORDIA auch weiterhin beratend zur Seite zur stehen und insbesondere bei der strategischen Projektplanung zu unterstützen. (Link zur Challenge)

Bessere gesundheitliche Versorgung für Babys und Mütter 

Die MAM Babyartikel GmbH möchte mit einem langfristigen „Herzensprojekt“ dazu beitragen, die Gesundheit von Babys und Müttern im Globalen Süden zu verbessern und nutzte den Workshop für eine erste Ideen- und Partnerfindung. Im Austausch mit mehreren entwicklungspolitischen NROs verschaffte sich das Unternehmen einen Eindruck von der Komplexität der Herausforderungen im Bereich Mütter- und Babygesundheit vor Ort, dem Potential einer Zusammenarbeit mit lokalen Partnern sowie von einzelnen Projekten der teilnehmenden NRO und ihrer lokalen Partnerorganisationen. In einem nächsten Schritt sind nun vertiefende Gespräche mit allen teilnehmenden NRO geplant. (Link zur Challenge)

Erfolgreiche Etablierung von NRO-Startup-Partnerschaften

Das Österreichische Rote Kreuz unterstützt im Rahmen seines REDpreneur Programms purpose-driven Start-Ups bei der Weiterentwicklung innovativer Ideen für Märkte des Globalen Südens und vernetzt diese unter anderem auch mit lokalen Rotkreuzgesellschaften. Während des Workshops diskutierten die Expert*innen verschiedene Möglichkeiten, wie das Rote Kreuz solche Partnerschaften dabei unterstützen kann, sich zu etablieren und erfolgreich zu skalieren – etwa die Einrichtung eines test beds für innovative Ideen innerhalb der Rotkreuzstrukturen oder der Aufbau eines Alumni-Netzwerks für die weitere Unterstützung von Absolvent*innen des REDpreneur Programms. Weitere bilaterale Gespräche sind geplant. (Link zur Challenge)

Gewinnen von Fachkräften in Subsahara-Afrika

Die VAMED Technical Services GmbH steht in Subsahara-Afrika vor der Herausforderung qualifizierte Fachkräfte im Bereich Biomedical Engineering zu gewinnen, ohne Expert*innen aus dem nicht-afrikanischen Ausland entsenden zu müssen. Während des Workshops fokussierte sich das Expert*innenteam auf die Idee in Südafrika ein Traineeprogramm für Krankenhauswartungstechniker aufzusetzen und beleuchtete diverse Aspekte, wie etwa die Zusammenarbeit mit Partnerfirmen und lokalen Bildungseinrichtungen, eine Akkreditierung des Programms oder Voraussetzungen für das Funktionieren des praktischen Ausbildungsteils (Rotationspläne, etc.). Alle Teilnehmer*innen sagten zu für einen weiteren Austausch zur Verfügung zu stehen. (Link zur Challenge)  

Unternehmerische Sorgfalt bei der Rohstoffbeschaffung

Die Dreikönigsaktion nutzte den Workshop um sich mit einem diversen Expert*innenteam sowie betroffenen Unternehmen darüber auszutauschen, wie Unternehmen bei der Beschaffung mineralischer Rohstoffe Risiken für Menschenrechtsverletzungen und Umweltverstöße in ihren Lieferketten erkennen und verhindern können und welche Voraussetzungen sie dafür benötigen. Als entscheidende Aspekte wurden dabei gesetzliche Vorgaben, das Vermeiden unrealistisch hoher Erwartungen an die Industrie sowie die Zusammenarbeit von Öffentlichkeit, NRO, Gesetzgeber und Unternehmen identifiziert. Ein vertiefter Austausch zur EU-Konfliktmineralienverordnung ist geplant. (Link zur Challenge)

(ir)