Nach 20 Jahren Der neue World Atlas of Desertification

(Bericht - 21.06.2019) 20 Jahre sind vergangen seit der Veröffentlichung des letzten World Atlas of Desertification. 20 Jahre in denen sich so viele globale Veränderungen abgezeichnet haben wie nie zuvor. Eine Veränderung, die sich auch in der Konzeption des dritten World Atlas of Desertification (WAD3) niederschlägt. Statt ausschließlich das Fortschreiten der Desertifikation kartographisch darzustellen, wird das Phänomen als das Resultat des Zusammenspiels zwischen sozialen, ökonomischen und ökologischen Systemen erschlossen. Der Atlas lässt den Leser dabei verstehen, wie die Verschlechterung der Bodenqualität (Bodendegradation) durch die menschliche Lebensweise bedingt ist und zugleich auf den Menschen und den Planeten als Ganzes rückwirkt. So werden durch unsere Lebensweise Menschen von ihrer Heimat vertrieben, das Artensterben begünstigt, die Ernährungssicherheit bedroht, sowie der Klimawandel intensiviert.

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Der WAD3 nähert sich somit dem Thema der Bodendegradation und den globalen Umweltveränderungen in den folgenden fünf Hauptkapiteln an:

  • Global Patterns of Human Domination: Das erste Kapitel legt den Fokus auf die Rolle des Menschen als die wesentliche Triebkraft der Umweltveränderungen. Mit exponentiell steigender Bevölkerungsanzahl wird der menschliche Fußabdruck dramatisch größer und stellt somit einen noch nie dagewesenen Druck auf die natürlichen Ressourcen der Erde dar. Entlang der Karten werden unter anderem Themen der Migration, Urbanisierung, Landnutzung und diverse andere menschliche sowie Natur-Phänomene dargestellt.
  • Feeding a Growing Global Population: Der bereits erwähnte Anstieg der globalen Population auf 10-12 Milliarden Menschen bis ans Ende des Jahrhunderts, stellt uns vor die große Herausforderung der Absicherung von Ernährung, mit den logischen Auswirkung auf Land und Boden. Dieses Kapitel zeigt  die globale Expansion der agrarischen Lebensmittelproduktion und stellt ihre Folgen, wie die der Bodendegradation, dar.
  • Limits to Sustainability: Die Ernährung ist dabei nur ein Facette der menschlichen Präsenz, die unsere Lebensweise außerhalb der planetaren Grenzen vorantreibt. Auf Basis dessen leisten die Autoren mit diesem Kapitel ihren Beitrag dazu, die Grenzen der Nachhaltigkeit aufzuzeigen und schaffen damit eine Ressourcensammlung, die es uns erlaubt eine fortschreitende Zerstörung und Veränderung unseres Planeten faktisch nachvollziehen und analysieren zu können. Es werden dazu Daten zu Themen, wie Dürren, Bodenbeschaffenheit und Biodiversität aufgearbeitet, um sie kartographisch darzustellen.
  • Converge of Evidence: Auch wenn ökologische Veränderungen ein globales Problem sind, drücken sie sich vor allem lokal aus und brauchen deswegen lokale Lösungen, weswegen die Autoren Ergebnisse und Anzeichen aus unterschiedlichen Disziplinen und Quellen zusammenführen. Der anfängliche Problemaufriss des global change issues leitet in einen großen Teilabschnitt aus kartographischer Faktendarbietung zu den unterschiedlichen Typen an Ackerland und Anbauflächen über. Daraus leiten sich Erklärungen von lokalen Phänomenen und Prognosen für potentielle Gefahrenzonen ab und führen weiter zu einer Vielzahl an Case Studies aus der Sahelzone, China, Argentinien, Arizona (USA) und einigen anderen Regionen.
  • Solutions: In diesem Kapitel steht nachhaltiges Bodenmanagement (sustainable land management) ganz im Zentrum. Das Konzept, welches auf den Erhalt und die Verbesserung der Ergiebigkeit des Bodens abzielt, hat einige Positivbeispiele hervorgebracht, welche im Anschluss angeführt werden. Die AutorInnen postulieren auf Basis dessen das wissenschaftliche Konzept der land degradation neutrality (LDN), welches  „einen Zustand beschreibt, indem ausreichend viele Ressourcen vorhanden sind, um die Funktionen des Ökosystems zu unterstützen, Ernährungssicherheit zu sichern oder auszubauen, in einem bestimmten zeitlichen und örtlichen Raum und Ökosystem“ (Cherlet et al., 2018, 236). Das Potential beweist dieser Begriff dadurch, dass er auf alle Landschaftstypen und nicht wie bisher, nur auf Trockengebiete anwendbar ist.

Konkret bestehen die Zielsetzungen von LDN darin, eine:

  • Erhaltung oder Verbesserung der Ökosystemleistungen zu garantieren,
  • Aufrechterhaltung oder Verbesserung der Ergiebigkeit des Bodens, um die Ernährungssicherheit zu verbessern,
  • Erhöhung der Widerstandsfähigkeit des Landes und der vom Land abhängigen Bevölkerung zu gewährleisten,
  • Synergien mit anderen Umweltzielen anzustreben,
  • Und der Stärkung von verantwortungsvollen Verwaltung (Governance) des Landbesitzes.

Der WAD3 bietet also neben der erstmaligen evidenzbasierten Darstellung des Phänomens der globalen Bodendegradation auch eine Ressourcensammlung an Daten und Fakten, sowie Prognosen und globale Datensätze zum Thema. Ergänzt durch konkrete Lösungsbeispiele, welche die Möglichkeit vom nachhaltigen Management des Bodens veranschaulichen und dem Postulat der land degradation neutrality. Der Atlas wird zudem durch QR-Codes ergänzt welche zusätzliche Informationen zu Standorten, Projekten und Organisationen beinhalte.

Zur eigenen Recherche ist der World Atlas of Desertification 3 online vollständig einsehbar.

Cherlet, M., Hutchinson, C., Reynolds, J., Hill, J., Sommer, S., von Maltitz, G. (Eds.), World Atlas of Desertification, Publication Office of the European Union, Luxembourg, 2018.

(LuWei)

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