Der Bericht zeigt auf, dass die Europäische Union in ihren Strategien für internationale Partnerschaften, Entwicklungszusammenarbeit und Handel vermehrt auf die Verantwortung des Privatsektors in der Armutsbekämpfung und Umsetzung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung verweist. In der Praxis unterstützt die EU meist nur große europäische Konzerne mit konventionellen Geschäftsmodellen, um ihnen den Handel mit und das Investieren in Partnerländern zu erleichtern. Es sei aber entscheidend, dass Geschäftsmodelle, die sich bewusst nicht der Profitmaximierung, der Ausbeutung billiger Arbeitskräfte und den Interessen von AktionärInnen und InvestorInnen verschrieben haben, gezielt unterstützt werden.

Die EU sieht zwar die Notwendigkeit, kleine und mittlere Unternehmen durch politische Maßnahmen zu unterstützen, jedoch ist die Größe der Unternehmen nicht allein der bestimmende Faktor: Vielmehr geht es um interne Unternehmensphilosophien, -strukturen und -politiken sowie um Geschäftsmodelle. Laut AutorInnen des Reports sei zu berücksichtigen, wie Betriebe ihre Gewinne verteilen, wie sie Preise mit LieferantInnen aushandeln, oder wie verschiedene Stakeholder in Entscheidungsfindungsprozesse einbezogen werden. Dies seien Schlüsselelemente, um festzustellen, ob Unternehmen wirklich als valide Partner für den Aufbau einer globalen, widerstandsfähigeren, gerechteren, nachhaltigeren und inklusiveren Wirtschaft angesehen werden können.

Die Bedeutung & Herausforderungen von sozialen Unternehmen mit nachhaltig und integrativen Geschäftsmodell

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Nachhaltig und integrativ agierende Firmen besitzen eine transformative Kraft: Sie könnten zur Verringerung ökonomischer und sozialer Ungleichheiten beitragen und somit zu einem faireren, umweltfreundlicheren Wirtschaftssystem. Solche unterscheiden sich durch zwei zentrale Aspekte von anderen Betrieben und machen sie zu wichtigen Partnern der EU, in der Armutsreduktion, der Durchsetzung der Menschenrechte sowie in der Umsetzung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung. Erstens verfolgen sie zumeist einen sozialen und ökologischen Auftrag, der durch selbstgesetzte soziale Werte und Normen untermauert und in Statuten verankert ist. Zweitens sind in diesen Unternehmen partizipative Entscheidungsfindung und integrative Unternehmensführung sehr verbreitet: ArbeiterInnen und ProduzentInnen, die aufgrund ihrer Funktion üblicherweise von Unternehmensentscheidungen ausgeschlossen sind, bestimmen mit.

Obwohl die EU verschiedene Maßnahmen ergreift, um die zwei Millionen europäischen Unternehmen mit nachhaltigem und integrativen Geschäftsmodell innerhalb der EU zu unterstützen, stellt der Report fest, dass die Förderung für solche Unternehmen in der internationalen Zusammenarbeit der EU bisher lückenhaft, beziehungsweise teilweise weitgehend fehlt. Dabei sind betroffene sozial und nachhaltig agierende Betriebe mit großen Herausforderungen konfrontiert, die sie daran hindern, ihr volles Potenzial auszuschöpfen, wie z.B.: schwierige rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen, unzureichender Zugang zu finanzieller und technischer Unterstützung sowie Lern- und Austauschlücken. Da die EU in ihrer internationalen Zusammenarbeit zunehmend mit dem Privatsektor kooperiert, die genannten Herausforderungen jedoch nicht adressiert, kommen die VerfasserInnen zu dem Schluss, dass die EU Unternehmen mit nachhaltigem und integrativen Geschäftsmodell gegenüber konventionellen  de facto benachteiligt.

Empfehlungen für die EU und ihre Mitgliedsstaaten zur Förderung von sozialen Unternehmen mit nachhaltigem und integrativen Geschäftsmodell

Anhand konkreter Beispiele zeigt der Bericht, wie ein Fokus auf eben jene Art von Unternehmen der EU helfen könnte, ihre verschiedenen Ziele zu erreichen. Sei dies die Schaffung von menschenwürdigen Arbeitsbedingungen, die Stärkung von Frauen, die Integration von vulnerablen und marginalisierten Gruppen oder das Anstoßen eines sozio-ökologischen Transformationsprozesses. So profitiert auch die Entwicklungszusammenarbeit von einer verstärkten Förderung solcher sozialen Firmen, da diese nicht nur die sozialen und ökologischen Richtlinien in den Partnerländern einhalten, sondern darüber hinaus, durch ihre Geschäftsmodelle, einen wichtigen Beitrag zur Durchsetzung der Menschenrechte sowie in der Umsetzung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, leisten.

Die AutorInnen des Berichts schlagen daher eine enge Zusammenarbeit zwischen der EU und sozialen Unternehmen vor sowie das Ergreifen verschiedener Maßnahmen: Sie soll künftigen UnternehmerInnen notwendige Instrumente zur Verfügung stellen, damit sie von Anfang an und ohne großen Aufwand ihre Unternehmen auf das Erreichen gesellschaftlicher und ökologischer Zielen ausrichten können, anstatt dem Ansatz des shareholder-values, also hauptsächlich zur Kapital- und Gewinnmaximierung der Aktionäre zu arbeiten, zu folgen.

Hierfür enthält der Report die folgenden konkreten Empfehlungen für die EU und ihre Mitgliedsstaaten:

  • Unterstützung von Bewusstseinsbildung, Informationsaustausch und die Teilnahme an politischen Dialogen in Partnerländern zu sozialen Unternehmertum und nachhaltiger und integrativen Geschäftsmodellen
  • Schaffung des Zugangs zu Finanzmitteln, die speziell nachhaltige und integrative Unternehmen unterstützen
  • Unterstützung der Akzeptanz von Unternehmen mit nachhaltigem und integrativen Geschäftsmodell durch UnternehmerInnen in den Partnerländern
  • Sicherstellung, dass Handels- und Investitionsabkommen Unternehmen mit nachhaltigem und integrativem Geschäftsmodell unterstützen
  • Aufbau strategischer diplomatischer Beziehungen, die Zusammenarbeit und Peer-Learning zwischen europäischen Unternehmen mit nachhaltigem und integrativem Geschäftsmodell und jenen in den Partnerländern ermöglichen
  • Überwachung der EU-Instrumente und Politiken zur Unterstützung von sozialen Unternehmen mit nachhaltigem und integrativem Geschäftsmodell
  • Förderung von Unternehmen mit nachhaltigem und integrativem Geschäftsmodell auch in relevanten multilateralen Foren
  • Stärkung der externen Aspekte der nationalen EU-Politik für kleine und mittlere Unternehmen

Abschließend weisen die AutorInnen auf die dringend benötigten rechtlichen, regulatorischen, politischen und institutionellen Reformen im Bereich Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit für Unternehmen hin. Die Förderung und Unterstützung von Betrieben mit nachhaltigem und integrativen Geschäftsmodell könne solche Reformen nicht ersetzen. Sie stelle nur einen wichtigen Teilaspekt innerhalb der Bemühungen dar, eine Welt zu schaffen, in welcher sich alle Unternehmen sozial, nachhaltig und verantwortungsbewusst verhalten. Im Anhang listet der Bericht inspirierende, vorbildhafte Beispiele nachhaltig und inklusiv agierender Unternehmen auf.

Weiterführender Link:

Link zum Bericht

(ge)