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Umsetzung der Agenda 2030 und Erreichung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung bis 2019 - Trendanalyse

Der Bericht nimmt eine Beurteilung der Trends von 2010 bis 2019 nach vier Stufen vor, dabei zeigt sich, dass 77% der 79 bewerteten Indikatoren sich positiv oder sehr positiv entwickeln, 23% jedoch eine negative oder sehr negative Entwicklung zeigen. Beispielsweise entwickelten sich die Ergebnisse der biologisch bewirtschafteten Fläche (an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche) (ohne Almen) (Ziel 2), tertiären Bildungsabschlüssen (Ziel 4), Anteil weiblicher Führungskräfte (Ziel 5) und erneuerbare Energien (Ziel 7) sehr positiv. Eher positiv liegt der Trend bei Armutsgefährdung (Ziel 1), NEETs (Kinder und Jugendliche die nicht in Ausbildung, Arbeit oder Schulungen sind) (Ziel 4) und bei den Kläranlagenanschlüssen (Ziel 6). Negative Trends zeigen sich bei den Emissionen im Verkehr (Ziel 13), Siedlungsabfälle (Ziel 11) und beim inländischen Materialverbrauch (Ziel 12). Ein besonders negativer Trend wird beim Energieverbrauch im Verkehr (Ziel 13), der Flächeninanspruchnahme (Ziel 13) und bei der staatlichen Entwicklungshilfe (Ziel 17), die sich in den letzten zehn Jahren (in Prozent des Bruttonationaleinkommens) von 0,32 % (2010) auf 0,27 % (2019, vorläufiger Wert) deutlich verringerte (im Vergleich dazu das EU Mittel liegt bei 0,48 %  2019).

Ausblick auf mögliche Effekte der COVID-19 Pandemie

Für den Ausblick auf mögliche Covid‑19 Effekte auf die Erreichung der Entwicklungsziele im Jahr 2020 wurden erste statistische Daten sowie Einschätzungen nationaler und internationaler Institutionen herangezogen. Die Statistik Austria weist darauf hin, dass mit dem Covid‑19‑Ausblick nicht angestrebt wird, für jeden der rund 200 SDG‑Indikatoren eine Entwicklung während der Krise abzubilden, vielmehr wird versucht überblicksmäßig die möglichen Auswirkungen auf die 17 Ziele der SDGs abzuschätzen. Die Vereinten Nationen gehen zum Beispiel davon aus, dass die Zahlen der in Armut lebender Menschen in 2020, aufgrund der negativen Auswirkungen der COVID-19 Pandemie erstmals wieder auf eine Milliarde ansteigen werden. Auch in Österreich ergeben sich, laut Statistik Austria, durch eine höhere Arbeitslosenrate negative Auswirkungen auf mehrere Ziele (z. B. Ziel 1 keine Armut oder Ziel 8 menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum).

Zusammenfassend präsentiert der Bericht folgende Einschätzungen der Covid‑19 Auswirkungen für die Erreichung der folgenden Ziele der Agenda 2030 in Österreich.

  • Starker Einfluss, vorwiegend negativ: Ziel 1, 3, 4, 5, 8,  9, 10
  • Schwach negativer und/oder positiver Einfluss: Ziel 2, 6, 7, 11, 12, 13, 17
  • Einfluss nicht einschätzbar: Ziel 14, 15, 16 (besonders weil hier die Daten großteils fehlen)

Als Beispiel greifen wir hier Ziel 8 – menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum – heraus. Hier zeigt sich, laut der Zahlen aus dem 2. Quartal 2020, ein vorwiegend negativer Einfluss, da die Beschäftigung um 4,9% zurückging, das Bruttoinlandsprodukt (BIP real) um 14,3% sank und insgesamt die geleisteten Arbeitsstunden sich um 16,6% reduzierten (im Vergleich zum Vorjahresquartal 2019). Positiv betrachtet werden einige Effekte zu Ziel 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz, da aufgrund des Rückganges der Wirtschaftsleistung zumindest kurzfristig eine deutliche Reduktion von 7.1% der Treibhausgase erwartet wird (Prognose laut WIFO Schätzung von Mai 2020).

Auch globale Daten der UNO zeigen, laut dem Sustainable Development Report 2020 der Bertelsmann Stiftung generell negative Tendenzen bei der Umsetzung der Agenda 2030 aufgrund der COVID-19 Pandemie. Insbesondere wird auf die gravierenden negative Auswirkungen der Pandemie auf Ziel 1 zu Armut, Ziel 2 zu Hunger, Ziel 3 Gesundheit, Ziel 4 zu Bildung, sowie zu Ziel 10 Ungleichheiten hingewiesen. Weiters wird appelliert mögliche Impfstopfe fair zu verteilen, um auch für Menschen in Ländern des globalen Südens den Zugang zu diesen zu garantieren und die Pandemie gemeinsam einzuschränken.

Zusammenfassend ist es positiv, dass die Statistik Austria hier einen ausführlichen Überblick zur Einschätzung der Auswirkungen der COVID-19 Pandemie auf die Erreichung der Agenda 2030 und ihrer 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung in Österreich präsentiert. Gleichzeitig stellte die Statistik Austria auch neue Datensätze zur Erreichung einiger Unterziele bis 2019 vor, die bisher noch nicht erhoben wurden. Dies trägt zu einer verbesserten Datenlage für die Erreichung der Ziele in Österreich bei. Gleichzeitig ist ein negativer Trend bei der Erreichung der Ziele zu erkennen, besonders im Hinblick auf die Verringerung der Ungleichheiten (Ziel 10), Geschlechtergerechtigkeit (Ziel 5), Klimaschutz (Ziel 13), Produktions- und Konsumverhalten (Ziel 12) sowie den offiziellen Entwicklungsleistungen an Länder des globalen Südens (Ziel 17). Jene Länder sind jedoch besonders von den negativen sozialen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der COVID-19 Pandemie getroffen und werden in Zukunft voraussichtlich noch stärker betroffen sein. Die Statistik Austria hat die Datenerhebung in Österreich deutlich gesteigert und dies ist als wichtiger Schritte zu sehen, jedoch braucht es weiterhin eine stärkere Umsetzung der Ziele, um diese bis 2030 zu erreichen und damit Armut, Hunger, Klimakrise sowie soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten einzudämmen.

Links:

Bericht der Statistik Austria

Bertelsmann Bericht

(kku)