Cover von SDG Report 2026
© Sustainable Development Report 2026

Jedes Jahr veröffentlicht das UN Sustainable Development Solutions Network (SDSN) den Sustainable Development Report, der überprüft inwiefern die Agenda 2030 und ihre 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs), zu der sich die 193 UN-Mitgliedstaaten im Jahr 2015 verpflichtet haben, umgesetzt wird.

Kernaussagen des Berichts 

Der Bericht 2026 hebt fünf Schlüsselergebnisse hervor: 

1. Das offizielle Engagement für die SDGs ist weltweit weiterhin groß, was sich darin zeigt, dass eine große Mehrheit der Länder weiterhin für Resolutionen der UN-Generalversammlung stimmt, die sich auf das Paradigma der nachhaltigen Entwicklung beziehen.
  • Insgesamt haben erneut 190 Länder an der freiwilligen Berichterstattung über den nationalen Fortschritt der SDG teilgenommen (Freiwillige Nationale Umsetzungsberichte, FNU). Zusätzlich präsentieren regionale und lokale Stellen ihre Aktionspläne in Hinsicht auf die Agenda 2030 (Freiwillige Regionale Umsetzungsberichte, FRU).
  • Im Jahr 2025 stimmte die Mehrheit der Länder für UN-Resolutionen mit Bezug auf die SDGs. Argentinien und die USA leisten hingegen systematischen Widerstand gegen die Agenda 2030.
2. Ost- und Südasien übertreffen alle anderen Regionen mit ihrem Fortschritt bei den SDGs
  • Länder in Ost- und Südasien haben seit 2015 den höchsten Fortschritt in Bezug auf die Umsetzung der SDGs im Vergleich mit anderen Regionen erreicht.
  • Besonders China und Indien führen diese Entwicklung an, während Russland und die USA sich im SDG-Index verschlechtern.
3. Wie in den vorherigen Jahren setzt sich weiterhin Barbados am stärksten für den UN-Multilateralismus ein, während die USA erneut in diesem Ranking den letzten Platz belegen.
  • Im Jahr 2025 erklärte die US-amerikanische Regierung ihren offenen Widerstand gegenüber der Nachhaltigkeitsziele und im Januar 2026 verließ die USA über 60 internationale Organisationen.
  • Die Übereinstimmung der USA mit der internationalen Mehrheit bei Resolutionen der UN-Generalversammlung nahm drastisch ab.
4. Acht wichtige Erkenntnisse lassen sich aus dem vergangenen Jahrzehnt seit Verabschiedung der Agenda 2030 ableiten; diese müssen laut Autor*innen als Leitlinien dienen, um die Fortschritte bei den SDGs zu beschleunigen

siehe Resümee

5. Deutliche Fortschritte bei den SDGs zu erreichen hat oberste Priorität, damit nachhaltige Entwicklung auch nach 2030 eine Zukunft hat
  • Im Jahr 2026 bat das SDSN sein Expert*innen-Netzwerk in 64 Ländern und in der Europäischen Union sowie mehr als 1.000 weitere Expert*innen, die Bemühungen der Regierungen und die weiterhin bestehenden Hindernisse bei der Umsetzung der SDGs in ihren Ländern zu bewerten.
  • Die Befragten machten in ihren Ländern eine hohe politische Zustimmung für die Weiterführung der SDG-Struktur nach 2030 aus. Jedoch betonten sie, dass stärkere Umsetzungsmechanismen, darunter angemessene und effektive Finanzierungsstrukturen und Steuerungsmechanismen sowie eine gesteigerte Relevanz von wissenschaftlichen Daten in Bezug auf nachhaltige Entwicklung notwendig seien.

Österreichs Abschneiden im Jahr 2026

Schautafel mit SDG Symbolen, die Fortschritte bei der Agenda 2030 beschreiben.
Länderprofil von Österreich. © Sustainable Development Report 2026

Österreich belegt im SDG-Ranking 2026 mit 83,9 von 100 Punkten erneut Platz 6 von 169 untersuchten Ländern. Wie in den Vorjahren gelten 2026 das SDG 1 (keine Armut) sowie das SDG 7 (günstige und saubere Energie) als erfüllt.

Zusätzlich zu den langjährigen großen Herausforderungen, SDG 12 (verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster) und SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) umzusetzen, ist SDG 17 (Partnerschaften zur Erreichung der Ziele) im Bericht von 2026 ebenfalls als stark handlungsbedürftig eingestuft. Genau wie im Vorjahr verzeichnet Österreich weiterhin Rückschritte bei SDG 10 (weniger Ungleichheiten), während die Umsetzung von SDG 2 (kein Hunger), SDG 4 (hochwertige Bildung), SDG 15 (Leben an Land) und SDG 16 (Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen) seit Jahren weiter stagniert. Nach Jahren der Fortschritte stagniert erstmals auch SDG 6 (sauberes Wasser und Sanitärversorgung).

Tatsächliche leichte Fortschritte legt Österreich weiterhin bei der Erreichung von SDG 3 (Gesundheit und Wohlergehen), SDG 5 (Geschlechter­gleichstellung), SDG 8 (menschenwürdige Arbeit und Wirtschafts­wachstum), SDG 11 (nachhaltige Städte und Gemeinden) und SDG 17 (Partnerschaften zur Erreichung der Ziele) hin. Laut den Autor*innen macht Österreich gute Fortschritte bei SDG 7 (günstige und saubere Energie). SDG 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur) zeigte im Jahr 2025 gute Fortschritte, diese haben sich im Jahr 2026 jedoch verringert. Nach wie vor liegen dem SDSN keine Daten zu SDG 14 (Leben unter Wasser) in Österreich vor.

Die Position Österreichs im globalen negativen Spillover-Ranking 2026

Eine Weltkarte wird angezeigt, auf der  verschiedene Länder heller oder dunkler eingefärbt sind.
Je heller ein Land gefärbt ist, für umso mehr negative Spillover-Effekte ist es verantwortlich. © Sustainable Development Report 2026
Eine Weltkarte wird angezeigt, auf der verschiedene Länder heller oder dunkler eingefärbt sind.
Je dunkler ein Land eingefärbt ist, desto erfolgreicher ist es bei der Erreichung der SDGs. © Sustainable Development Report 2026

Abgesehen von der Umsetzung der einzelnen SDGs betrachtet der Bericht die positiven wie negativen Effekte, die z. B. die Handels-, Steuer- und Investitionspolitik von Ländern auf die nachhaltige Entwicklung anderer Länder haben. Diese Daten werden im sogenannten Spillover-Ranking miteinander verglichen.  

Generell haben die Politik und Wirtschaft von wohlhabenden Ländern mehr negative internationale Auswirkungen als die von Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Während die Spillover-Effekte sich in den letzten Jahren weltweit stetig leicht verbessert haben, haben sich die Weltregionen und der weltweite Durchschnitt 2026 leicht verschlechtert. Während die OECD-Länder 2025 noch eine Punktzahl von 70,1 vorweisen konnten, liegt 2026 der Durchschnitt bei 67,7. Am besten schneiden weiterhin die Länder in Subsahara-Afrika mit 94,9 ab, jedoch ist auch hier eine geringe Verschlechterung der Punktzahl zum Vorjahr zu verzeichnen.

Österreichs Position in diesem Negativ-Ranking hat sich in den vergangenen Jahren hingegen leicht verbessert, sodass Österreich 2026 mit 63,6 von 100 Punkten den 148. von 169 Negativ-Plätzen belegt.

Resümee: Durch Fokussierung auf Prioritäten soll die theoretisch starke Zustimmung zu SDGs auch in Praxis überführt werden

Die Autor*innen des SDSN-Berichts ziehen klare Erkenntnisse in Hinsicht auf die erfolgreiche Umsetzung der Agenda 2030 aus den vergangenen zehn Jahren und schlagen folgende zukünftige Handlungsschritte vor.

  1. Um den weltweiten Fokus erneut auf die Agenda 2030 zu lenken zu können, braucht es finanzielle Mittel. Die Autor*innen sprechen sich für einen Aufrüstungsstopp und Bemühungen, Kriege gemäß der UN-Charta zu beenden und Frieden herzustellen, aus.
  2. Die Umsetzung der SDGs sollte an sechs strukturellen Transformationsbereiche ausgerichtet werden: Bildung für alle; allgemeine Gesundheitsversorgung; saubere Energie und nachhaltige Industrie; nachhaltige Ernährung, Land, Wasser und Ozeane; nachhaltige Städte und Gemeinden; sowie die digitale Revolution für eine nachhaltige Entwicklung. Diese Transformationsbereich sind eng miteinander verknüpft, sodass Erfolge in einem Bereich zur Verwirklichung der anderen beitragen. Bei der Umsetzung dürfen müssen die planetaren Grenzen eingehalten werden. Außerdem müssen verteilungsbezogene Auswirkungen klar erkennbar und handhabbar sein.
  3. Langfristige Transformationspläne sind auf nationaler, regionaler und städtischer Ebene erforderlich, da sie die Grundlage für zukunftsorientierte Investitionen bilden.
  4. Regionen und Städte sowie Universitäten, die Zivilgesellschaft und der private Sektor müssen als Umsetzungspartner*innen der Agenda 2030 eingebunden werden.
  5. Ein zuverlässiges internationales Finanzierungssystem muss aufgebaut werden, das globale Besteuerung umfasst und die bestehende Finanzarchitektur reformiert, sodass Länder des Globalen Südens einen besseren Zugang zu Kapital erhalten.
  6. Um Katastrophen zu verhindern, müssen globale Steuerungsmechanismen für gefährliche Technologien wie Künstliche Intelligenz, biologische Sicherheit, Geoengineering und Massenvernichtungswaffen errichtet werden.
  7. Neu errichtete UN-Campus in Asien, Afrika und Lateinamerika müssen dem Prinzip öffentlich-zugänglicher Wissenschaft gerecht werden.
  8. Es braucht hochkarätig besetzte, proaktive gemeinsame Initiativen von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, die sich auf Transformationen konzentrieren, in denen der Fortschritt hinterherhinkt, und die bis 2030 konkrete Maßnahmen erarbeiten und Ergebnisse vorweisen.

(LF)


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