Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe
Bericht
Obwohl in Theorie das weltweite Engagement für die Agenda 2030 hoch ist, geht es in der Praxis nur stockend voran. Ein wesentlicher Grund ist die von wohlhabenden Ländern gestaltete Wirtschafts- und Finanzarchitektur, die Länder des Globalen Südens strukturell benachteiligt und ihnen zusätzlich negative Spillover-Effekte aufbürdet. Fünf Jahre vor Ende der Umsetzungsperiode betonen die Autor*innen des SDSN, dass es Reformen im internationalen Finanzsystem und somit auch in der Entwicklungsfinanzierung braucht, um noch wesentliche Fortschritte bei den SDGs bis 2030 erzielen zu können.
Alljährlich analysiert der Sustainable Development Report des UN Sustainable Development Solutions Network (SDSN) die globale Verwirklichung der Agenda 2030 und ihrer 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs), zu der sich die 193 UN-Mitgliedstaaten im Jahr 2015 berufen haben.
Der Bericht aus dem Jahr 2025 hebt acht Schlüsselergebnisse hervor:
Österreich liegt im SDG-Ranking 2025 mit 83 von 100 Punkten auf Platz 6 von 167 untersuchten Ländern. Das stellt eine minimale Verbesserung zum Vorjahr dar, als Österreich mit 82,5 Punkten ebenfalls den sechsten Platz belegte. Österreich hat SDG 7 (bezahlbare und saubere Energie) in den vergangenen Jahren erreicht, jedoch jüngst im Jahr 2024 nicht. 2025 gilt das Ziel wieder als erreicht. Zusätzlich gilt das SDG 1 (keine Armut) seit Jahren als erfüllt.
Wie die Jahre zuvor schneidet Österreich am schlechtesten beim Erreichen von SDG 12 (verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster) und SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) ab. Tatsächliche Rückschritte im Vergleich zu den letzten Jahren verzeichnet Österreich bei SDG 10 (weniger Ungleichheiten). SDG 2 (kein Hunger), SDG 4 (hochwertige Bildung), SDG 15 (Leben an Land) und SDG 16 (Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen) stagnieren in ihrem Fortschritt seit 2024.
Bei der Erreichung von SDG 3 (Gesundheit und Wohlergehen), SDG 6 (sauberes Wasser und Sanitärversorgung), SDG 8 (menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum), SDG 11 (nachhaltige Städte und Gemeinden) und SDG 17 (Partnerschaften zur Erreichung der Ziele) gibt es genau wie im Vorjahr leichte Fortschritte. Während 2024 noch gute Fortschritte in der Umsetzung von SDG 5 (Geschlechtergleichstellung) verzeichnet wurden, sind diese 2025 nur noch abgeschwächt zu sehen. Gute Fortschritte sind für SDG 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur) erkennbar.
Außerdem beinhaltet der Bericht des SDSN erneut ein Spillover-Ranking, das beleuchtet, welche positiven wie negativen Auswirkungen beispielsweise die Handels-, Steuer- und Investitionspolitik von Ländern auf die nachhaltige Entwicklung anderer Länder haben. Generell erzeugen wohlhabende Länder mehr negative internationale Spillover-Effekte als ärmere: Am besten schneiden Länder in Subsahara-Afrika mit 95,5 ab. Der Durchschnitt der OECD-Länder liegt bei 70,1.
Österreich liegt im Jahr 2025 unter dem OECD-Durchschnitt mit 62,1 von 100 Punkten. Unter diesen negativen Auswirkungen sind wie in den Vorjahren z. B. unfaire Handelskonditionen, die Ausbeutung von menschlichen und materiellen Ressourcen, der Handel mit umweltschädlichen Technologien und Waren oder der Zugang zu Finanzierungsmechanismen, die Akteur*innen aus dem Globalen Süden strukturell benachteiligen.
Die Autor*innen des SDSN-Berichts schauten der vierten Konferenz für Entwicklungsfinanzierung im Sommer 2025 erwartungsvoll entgegen Ziel der Konferenz sei es gewesen, Hoffnung zu vermitteln, dass die Umsetzung der globalen Ziele zur Beseitigung von Armut und der Eindämmung der Klimakrise in greifbarer Nähe seien. Im Bericht formulierten sie Prioritäten für die Reformierung der internationalen Finanzarchitektur im Sinne der Agenda 2030. Entgegen den Empfehlungen des SDSN fokussierten sich Österreich sowie andere EU-Länder bei der FfD4 allerdings auf eine private, renditeorientierte Entwicklungsfinanzierung.
Solch ein Finanzierungsansatz gefährdet die demokratische Rechenschaftspflicht und regulatorische Rolle von Regierungen. Im Umkehrschluss verstärkt er die Macht von privaten Konzernen, renditeorientierte Eigeninteressen in der Entwicklungsinfrastruktur unterzubringen und letztere zu untergraben. Darum hält auch die AG Globale Verantwortung ein faires internationales Steuersystem, das Länder des Globalen Südens dazu ermächtigt, sich selbstbestimmt finanzieren zu können, für zentral. Die geplante UN-Steuerrahmenkonvention (UN Framework Convention on International Tax Cooperation) auf Initiative afrikanischer Länder ist eine bedeutende Maßnahme in Hinsicht auf ein Ende der strukturellen Machtasymmetrien zwischen Globalem Süden und Norden. Daher unterstützt die AG Globale Verantwortung die Positionen der internationalen Zivilgesellschaft im laufenden Verhandlungsprozess.
(LF)
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