Cover von SDG Report 2025
© Sustainable Development Report 2025

Alljährlich analysiert der Sustainable Development Report des UN Sustainable Development Solutions Network (SDSN) die globale Verwirklichung der Agenda 2030 und ihrer 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs), zu der sich die 193 UN-Mitgliedstaaten im Jahr 2015 berufen haben.  

Kernaussagen des Berichts 

Der Bericht aus dem Jahr 2025 hebt acht Schlüsselergebnisse hervor: 

1. Das offizielle Bekenntnis zu den SDGs ist weltweit hoch: 190 von 193 Ländern haben nationale Aktionspläne zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung vorgelegt
  • Die Mehrheit der UN-Mitgliedsstaaten sowie zahlreiche regionale und lokale Akteur*innen zeigen sich bereit, ihre Fortschritte hinsichtlich der Agenda 2030 auf nationaler und lokaler Ebene in Form von freiwilligen Umsetzungsberichten (Freiwillige Nationale Umsetzungsberichte, FNU und Freiwillige Regionale Umsetzungsberichte, FRU) öffentlich zu präsentieren. Österreich legte zuletzt im Jahr 2024 einen solchen Bericht vor.
2. Ost- und Südasien übertreffen mit ihren Fortschritten bei den SDGs seit 2015 alle anderen Weltregionen
  • Ost- und Südasien zeigen den schnellsten Fortschritt in der Umsetzung der SDGs, was maßgeblich durch die Umsetzung sozio-ökonomischer Maßnahmen angetrieben wird.
3. Einige Länder entwickeln sich schneller als andere gleichrangige Länder
  • Darunter sind: Benin, Nepal, Peru, die Vereinigten Arabischen Emirate, Usbekistan sowie Costa Rica als Teil der OECD und Saudi-Arabien als G20-Mitglied.
4. Wohlhabende Länder sind weiterhin an der Spitze des SDG-Index
  • Die ersten 19 Plätze des globalen SDG-Index werden von europäischen Ländern belegt.
  • Doch selbst diese Länder tun sich in der Erreichung von mindestens zwei Zielen schwer, darunter besonders die Ziele, welche die Eindämmung der Klimakrise und die Erhaltung der biologischen Vielfalt betreffen.
  • China ist auf Platz 49 des SDG-Index aufgestiegen und Indien auf Platz 99.
5. Im globalen Durchschnitt sind jedoch alle Länder weit davon entfernt, die 17 SDGs bis 2030 zu erreichen
  • Konflikte, strukturelle Verwundbarkeit und ein begrenzter finanzieller Spielraum verhindern stark den Fortschritt der SDGs (siehe auch Kernaussage 7).
  • Nur 17% der Ziele werden voraussichtlich bis 2030 erreicht. Dazu gehören Ziele, die beispielsweise den Zugang zu Strom und Internet verbessern (SDG 7 und SDG 9), sowie die Sterblichkeitsrate von Neugeborenen und Kindern unter fünf Jahren senken (SDG 3).
6. Barbados setzt sich erneut am stärksten für den UN-Multilateralismus ein, während die Vereinigten Staaten den letzten Platz in diesem Ranking belegen
  • Grund dafür ist der Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sowie ihr offizieller Widerstand gegen die Agenda 2030.
  • Unter den G20-Ländern engagiert sich Brasilien am stärksten für den UN-Multilateralismus, während Chile unter den OECD-Ländern führend ist.
7. Für viele Länder des Globalen Südens ist fehlender finanzieller Spielraum ein großes Hindernis für das Erreichen der SDGs
  • Ungefähr die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Ländern, die sich aufgrund von Schulden und fehlendem Zugang zu günstigem, langfristigem Kapital nicht ausreichend um nachhaltige Entwicklung kümmern können.
8. Nachhaltige Entwicklung verspricht hohe Erträge: Kapital sollte zu begünstigten Konditionen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen fließen
  • Die globale Finanzarchitektur ist so ausgestaltet, dass Gelder eher in wohlhabende statt in Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen fließen, obwohl diese ein hohes Wachstums- und Renditenpotenzial zeigen.
  • Der Bericht enthält praktische Empfehlungen, welche zum Ziel haben, die internationalen Finanzflüsse hinsichtlich der Bereitstellung von öffentlichen Gütern und der Erreichung der SDGs zu verbessern.

Österreichs Abschneiden im Jahr 2025

Schautafel mit SDG Symbolen, die Fortschritte bei der Agenda 2030 beschreiben.
Länderprofil von Österreich. © Sustainable Development Report 2025

Österreich liegt im SDG-Ranking 2025 mit 83 von 100 Punkten auf Platz 6 von 167 untersuchten Ländern. Das stellt eine minimale Verbesserung zum Vorjahr dar, als Österreich mit 82,5 Punkten ebenfalls den sechsten Platz belegte. Österreich hat SDG 7 (bezahlbare und saubere Energie) in den vergangenen Jahren erreicht, jedoch jüngst im Jahr 2024 nicht. 2025 gilt das Ziel wieder als erreicht. Zusätzlich gilt das SDG 1 (keine Armut) seit Jahren als erfüllt.

Wie die Jahre zuvor schneidet Österreich am schlechtesten beim Erreichen von SDG 12 (verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster) und SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) ab. Tatsächliche Rückschritte im Vergleich zu den letzten Jahren verzeichnet Österreich bei SDG 10 (weniger Ungleichheiten). SDG 2 (kein Hunger), SDG 4 (hochwertige Bildung), SDG 15 (Leben an Land) und SDG 16 (Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen) stagnieren in ihrem Fortschritt seit 2024.

Bei der Erreichung von SDG 3 (Gesundheit und Wohlergehen), SDG 6 (sauberes Wasser und Sanitärversorgung), SDG 8 (menschenwürdige Arbeit und Wirtschafts­wachstum), SDG 11 (nachhaltige Städte und Gemeinden) und SDG 17 (Partnerschaften zur Erreichung der Ziele) gibt es genau wie im Vorjahr leichte Fortschritte. Während 2024 noch gute Fortschritte in der Umsetzung von SDG 5 (Geschlechter­gleichstellung) verzeichnet wurden, sind diese 2025 nur noch abgeschwächt zu sehen. Gute Fortschritte sind für SDG 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur) erkennbar.

Die Position Österreichs im negativen Spillover-Ranking 2025

Balkendiagramm, das die Position Österreichs im internationalen Spillover-Ranking zeigt.
Internationaler Spillover Index. Österreich im Vergleich mit verschiedenen Weltregionen © Sustainable Development Report 2025

Außerdem beinhaltet der Bericht des SDSN erneut ein Spillover-Ranking, das beleuchtet, welche positiven wie negativen Auswirkungen beispielsweise die Handels-, Steuer- und Investitionspolitik von Ländern auf die nachhaltige Entwicklung anderer Länder haben. Generell erzeugen wohlhabende Länder mehr negative internationale Spillover-Effekte als ärmere: Am besten schneiden Länder in Subsahara-Afrika mit 95,5 ab. Der Durchschnitt der OECD-Länder liegt bei 70,1.

Österreich liegt im Jahr 2025 unter dem OECD-Durchschnitt mit 62,1 von 100 Punkten. Unter diesen negativen Auswirkungen sind wie in den Vorjahren z. B. unfaire Handelskonditionen, die Ausbeutung von menschlichen und materiellen Ressourcen, der Handel mit umweltschädlichen Technologien und Waren oder der Zugang zu Finanzierungsmechanismen, die Akteur*innen aus dem Globalen Süden strukturell benachteiligen.

Die vierte internationale Konferenz für Entwicklungsfinanzierung in Sevilla (FfD4)

Die Autor*innen des SDSN-Berichts schauten der vierten Konferenz für Entwicklungsfinanzierung im Sommer 2025 erwartungsvoll entgegen Ziel der Konferenz sei es gewesen, Hoffnung zu vermitteln, dass die Umsetzung der globalen Ziele zur Beseitigung von Armut und der Eindämmung der Klimakrise in greifbarer Nähe seien. Im Bericht formulierten sie Prioritäten für die Reformierung der internationalen Finanzarchitektur im Sinne der Agenda 2030. Entgegen den Empfehlungen des SDSN fokussierten sich Österreich sowie andere EU-Länder bei der FfD4 allerdings auf eine private, renditeorientierte Entwicklungsfinanzierung.

Solch ein Finanzierungsansatz gefährdet die demokratische Rechenschaftspflicht und regulatorische Rolle von Regierungen. Im Umkehrschluss verstärkt er die Macht von privaten Konzernen, renditeorientierte Eigeninteressen in der Entwicklungsinfrastruktur unterzubringen und letztere zu untergraben. Darum hält auch die AG Globale Verantwortung ein faires internationales Steuersystem, das Länder des Globalen Südens dazu ermächtigt, sich selbstbestimmt finanzieren zu können, für zentral. Die geplante UN-Steuerrahmenkonvention (UN Framework Convention on International Tax Cooperation) auf Initiative afrikanischer Länder ist eine bedeutende Maßnahme in Hinsicht auf ein Ende der strukturellen Machtasymmetrien zwischen Globalem Süden und Norden. Daher unterstützt die AG Globale Verantwortung die Positionen der internationalen Zivilgesellschaft im laufenden Verhandlungsprozess.

(LF)


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